In einer aktuellen Debatte über die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine sorgt der Vorstandsvorsitzende von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, für Aufsehen. Entgegen der politischen Bedenken von Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte Schöllhorn, dass technische Lösungen existieren würden, um die Waffensysteme ohne die Beteiligung der Bundeswehr einzusetzen. "Die Hürden sind nicht technischer Natur, die Betrachtung ist eine politische", unterstrich Schöllhorn im Gespräch mit dem "Der Spiegel". Auch wenn er die politischen Überlegungen der Bundesregierung nachvollziehen könne, so liege der Ball im Feld des politischen Willens zur Lieferung.
Scholz vertritt eine vorsichtige Linie und sieht die Überlassung der hochreichweitigen Raketen kritisch, da eine solche Handlung Deutschland theoretisch in den Konflikt involvieren könnte. Laut seiner Aussage wäre der Einsatz des Taurus-Systems immer mit der Präsenz des deutschen Militärs verbunden – eine Position, die der Kanzler schon Ende Februar während einer Konferenz verdeutlichte.
Die Diskussionen führen im Licht der geforderten Zeitenwende auch zu weiteren rüstungspolitischen Erwägungen. Schöllhorn plädiert mit Nachdruck für eine zügige Bestellung weiterer Eurofighter-Jets, um die Kriegsbereitschaft Deutschlands zu wahren und die Zuverlässigkeit gegenüber den Zulieferern zu garantieren, die bereits nach alternativen Märkten Ausschau halten. Eine verbindliche Zusage seitens der Bundesregierung vor den nächsten Bundestagswahlen wird als unerlässlich erachtet, andernfalls drohten den Zulieferbetrieben gravierende Konsequenzen.
Abschließend kritisierte der Chef von Airbus Defence and Space die nach seiner Auffassung zu zögerlichen Schritte der Bundesregierung, die aus dem verkündeten Wendepunkt in der Verteidigungspolitik resultieren sollten. Eine konsequente Erhöhung der Rüstungsausgaben und Produktion im eigenen Land oder in Europa sieht Schöllhorn als unumgänglich an, um Deutschland sicherheitspolitisch auf die Höhe der Zeit zu bringen.