Die neue Handelswoche steht ganz im Zeichen der Entscheide der globalen Währungshüter. Nach der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) richten sich die Augen der Anleger nun auf die US-Notenbank Fed, die am Mittwoch ihre nächste Zinspolitik vorstellen wird. Im Anschluss folgt die Bank of Japan am Freitag. Christian Apelt, Devisenstratege der Helaba, prognostiziert, dass die Fed ihren Leitzins unverändert lassen wird. Die Märkte sind jedoch besonders gespannt auf die Projektionen und Einschätzungen der Fed, speziell nach den vergangenen schwachen Konjunkturdaten in den USA. Eine robuste Arbeitsmarktentwicklung in Kombination mit hohem Lohnwachstum könnte die Fed laut Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners allerdings davon abhalten, kurzfristig Zinssenkungen vorzunehmen. Zusätzliche Spannung verspricht am Mittwoch die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisindizes, die laut Christian Nolting, Investmentexperte der Postbank, zeitgleich zur Fed-Entscheidung bekannt gegeben werden. Diese Daten könnten zu signifikanten Marktbewegungen führen, da sie Aufschluss über den Fortgang der Inflation geben. Christian Apelt von der Helaba erwartet, dass der Inflationsdruck weiter anhält. Nachdem die EZB vergangene Woche die Erwartungen der Märkte mit einer Zinssenkung erfüllt hatte, reagierten die europäischen Börsen verhalten. Der Dax zeigte sich zum Wochenschluss eher am unteren Ende seines Kursbandes zwischen 18.400 bis 18.900 Punkten. Auch in den USA bleibt unsicher, ob die Rekordjagd der Nasdaq-Indizes und des S&P 500 fortgesetzt wird. Laut Robert Halver von der Baader-Bank herrscht am US-Markt eine hohe Risikobereitschaft, jedoch ohne Anzeichen für große Kursstürze. Auch Unternehmensnachrichten aus den USA könnten in dieser Woche wichtige Akzente setzen. Die Blicke richten sich auf eine Entwicklerkonferenz von Apple am Montag, die Auslieferungszahlen von Boeing am Dienstag, die Finanzresultate von Broadcom am Mittwoch sowie die Quartalszahlen von Adobe am Donnerstag. Obwohl die bevorstehende Europawahl keinen größeren direkten Einfluss auf die Finanzmärkte haben dürfte, sehen Experten wie Burkhard Varnholt von der UBS politisch dennoch entscheidenden Charakter in der Wahl. Ein mögliches politisches Vakuum könnte laut Varnholt eine Unsicherheit für die EU darstellen, während Stabilität und Vertrauen in die Institutionen Europa wirtschaftlich stärken könnten. Eine Zusammenfassung der Helaba sieht die Möglichkeit, dass sich der Aktienmarkt weiter in Höhenflügen übt, sofern die Fed die Marktstimmung nicht dämpft. Wer dem Börsengeschehen jedoch überdrüssig ist, kann sich auf das nächste Großereignis freuen: Ende der Woche beginnt die 17. Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Gemäß den Experten der Deutschen Bank könnte die EM, ähnlich wie die WM 2006, bei positivem Verlauf einen kleinen, aber nachhaltigen konjunkturellen Schub bringen.
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Zinsentscheide der Notenbanken prägen Marktstimmung