09. Juli, 2026

Wirtschaft

Wohnungsbau in Deutschland: Schwere Zeiten für Bauträger und Mieter

Wohnungsbau in Deutschland: Schwere Zeiten für Bauträger und Mieter

Das Münchner Ifo-Institut zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft des deutschen Wohnungsbaus. Laut ihrer Prognose könnte die Zahl der neu gebauten Wohnungen bis 2026 auf lediglich 175.000 absinken, was mehr als 40 Prozent weniger wäre als die knapp 300.000 im Jahr 2022. Ludwig Dorffmeister vom Ifo-Institut betont jedoch, dass diese Prognose mit Unsicherheiten behaftet sei. Dennoch sei es fast gewiss, dass die Anzahl der Neubauten spätestens 2026 unter die Marke von 200.000 fallen werde.

Die Berliner Koalition hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Angesichts der derzeitigen Entwicklungen scheint dieses Ziel jedoch in immer weitere Ferne zu rücken. Auch eine grundlegende Besserung in den nächsten zwei Jahren erwartet Dorffmeister nicht. Die schwache Bautätigkeit sieht er nicht alleine in Deutschland, sondern als Phänomen in ganz Europa, wie die Euroconstruct-Prognose bestätigt. Diese erwartet in den 15 westeuropäischen Ländern einen Rückgang der Wohnungsneubauten von über 1,5 Millionen auf 1,2 Millionen pro Jahr.

Hauptursachen für diese Entwicklung sind die hohe Inflation und steigende Zinsen. In Deutschland kommen noch außer Kontrolle geratene Baukosten hinzu, die eine Erholung des Marktes verhindern. Dorffmeister geht davon aus, dass das Bauen in den kommenden Jahren sogar noch teurer werden könnte. Der Baukostenindex des Statistischen Bundesamts weist darauf hin, dass die Materialkosten sich stabilisieren, während die Arbeitskosten beträchtlich steigen. Der kürzlich abgeschlossene Tarifvertrag für das Bauhauptgewerbe wird diese Kostenzuwächse weiter befeuern.

Ein deutlicher Rückgang bei Bauanträgen und -genehmigungen verstärkt die Krise im Wohnungsbau. Im Mai wurden nur 17.800 Bauanträge genehmigt, rund 44 Prozent weniger als im Vorjahr. Viele Wohnungsgenossenschaften und kommunale Unternehmen legen neue Projekte auf Eis, da die Kosten mittlerweile so hoch sind, dass rentable Mieten nur noch in städtischen Ballungsräumen durchsetzbar wären.

Der Wohnungswirtschaftsverband GdW bezeichnet die Situation als „Trauerspiel ohne Ende“. GdW-Präsident Axel Gedaschko kritisiert die Politik scharf und meint, dass viel zu wenig getan werde, um den negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Zwei Drittel der GdW-Mitgliedsunternehmen haben in diesem Jahr keine neuen Bauprojekte geplant oder umgesetzt.

Auch das IW Köln sieht einen viel höheren Wohnraumbedarf als realisiert werden kann. Bis 2025 schätzt das Institut einen jährlichen Neubaubedarf von 372.000 Wohnungen, ab 2025 bis 2030 auf 302.000 pro Jahr. Wohnungssuchende in größeren Städten wie München werden daher auf steigende Mieten und eine schwierige Suche nach Wohnraum vorbereitet sein müssen.