09. Juli, 2026

Wirtschaft

Wirtschaftswachstum in der Eurozone bleibt stabil – Deutsche Wirtschaft schwächelt

Wirtschaftswachstum in der Eurozone bleibt stabil – Deutsche Wirtschaft schwächelt

Die Eurozone überraschte im Frühjahrsquartal mit einem gleichbleibend starken Wirtschaftswachstum. Laut einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal erneut um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Dies steht im Einklang mit den Wachstumszahlen vom Jahresbeginn. Trotz dieser insgesamt positiven Entwicklungen zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen den großen Volkswirtschaften des Währungsraums, wobei insbesondere die deutsche Wirtschaft eine negative Ausnahme darstellt.

Analysten hatten im Durchschnitt ein bescheideneres Wachstum von 0,2 Prozent prognostiziert. Auch im Jahresvergleich meldete Eurostat für das zweite Quartal einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent. Während die Wirtschaft Spaniens weiterhin stark expandierte und einen Anstieg von 0,8 Prozent verzeichnete, litt Deutschland unter einem Rückgang des BIP um 0,1 Prozent.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, beschreibt die Situation in Deutschland als alarmierend: "Das ist keine Durststrecke mehr, das ist eine chronische Wachstumsschwäche in Deutschland." Dieser Einschätzung zufolge befindet sich die deutsche Wirtschaft inmitten eines erheblichen Strukturwandels und hat dabei die Orientierung verloren.

Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, erfuhr ebenfalls eine moderate Beschleunigung und wuchs um 0,3 Prozent. Italien verzeichnete ein geringeres Wachstum von 0,2 Prozent. Der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, sieht in der "Wachstumskluft zwischen dem europäischen Norden und dem europäischen Süden" eine Erklärung für diese Unterschiede. Exportabhängige Ländern wie Deutschland leiden seiner Meinung nach unter dem trägen Welthandel, während die südeuropäischen Länder von einer starken Reiselust in der Zeit nach der Corona-Pandemie profitieren.

Am Devisenmarkt reagierte der Euro positiv auf die Wachstumsdaten und erreichte am späten Vormittag mit 1,0835 US-Dollar ein Tageshoch.