02. Juli, 2026

Wirtschaft

Volkswagen vor drastischen Maßnahmen zur Kostensenkung

Volkswagen vor drastischen Maßnahmen zur Kostensenkung

Volkswagen erwägt erstmals in seiner 87-jährigen Geschichte Schließungen von Produktionsstätten in Deutschland, um dringend benötigte Kosteneinsparungen zu erreichen und wettbewerbsfähig zu bleiben. CEO Oliver Blume kündigte zudem das Ende des über drei Jahrzehnte alten Arbeitsplatzschutzes an, der Entlassungen bis 2029 verhindern sollte.

Diese Ankündigungen haben sowohl die Belegschaft als auch die Politik in Aufruhr versetzt. Hintergrund der Maßnahmen sind notwendige Einsparungen in Höhe von 10 Milliarden Euro bis 2026, die das Unternehmen ohne drastische Kürzungen nicht erreichen kann. Europas Automobilmarkt hat sich seit der Pandemie nicht erholt, und Volkswagen hat nunmehr mehr Kapazitäten als benötigt.

Laut Finanzvorstand Arno Antlitz fehlen dem Unternehmen nun 500.000 verkaufte Autos jährlich, was der Produktion von rund zwei Werken entspricht. Diese Überkapazitäten belasten das Unternehmen schwer und zwingen zu Kostensenkungen.

Trotz eines operativen Gewinns von 10,1 Milliarden Euro im ersten Halbjahr, einer Steigerung von 1,6% bei den Verkäufen auf 158,8 Milliarden Euro und erfolgreicherer Verkäufe der Luxusmarken Porsche, Audi und Lamborghini steht die Kernmarke Volkswagen erheblich unter Druck. Die Margen der Elektrofahrzeuge sind ebenfalls ein Problem, da hohe Batteriekosten und ein schleppender Ausbau der Ladeinfrastruktur das Geschäft belasten. Zudem verschärft die Konkurrenz durch preisgünstigere chinesische Hersteller die Situation.

In Deutschland hat Volkswagen zehn Werke mit insgesamt 120.000 Mitarbeitern. Schließungen wären ein symbolischer Schlag für die Wirtschaftsleistung des Landes und könnten die politische Stimmung weiter aufheizen. Bundeskanzler Scholz hat zwar mit der Unternehmensführung gesprochen, die Entscheidungen aber als intern bezeichnet.

Die Arbeitnehmervertretung, die über beträchtlichen Einfluss verfügt, zeigte sich kampfbereit. Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, kündigte Widerstand gegen Werksschließungen an und forderte die Unternehmensführung auf, andere Lösungen zur Wettbewerbsfähigkeit zu finden. Die Verhandlungen dürften sich in die Länge ziehen.