Die Verbraucherzentralen sprechen sich für mehr Transparenz in der Lebensmittelpreisgestaltung aus, um unfaire Preispraktiken aufzudecken. Angesichts weiterhin hoher Supermarktpreise betonte Ramona Pop, die Vorsitzende des Bundesverbands, dass die Preisentwicklung undurchsichtig sei. Sie bemängelte, dass derzeit niemand wisse, an welcher Stelle der Lieferkette von Bauern bis Handel unberechtigte Gewinne erzielt werden. Während der Bauernverband zurückhaltend reagierte, kritisierte der Einzelhandel den Vorstoß scharf.
Konkret schlagen die Verbraucherzentralen die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vor. Diese soll bereits vorhandene Daten zu Preisen und Kosten für Lebensmittel strukturierter auswerten. Beginnend mit Grundnahrungsmitteln wie Obst und Gemüse sollen Ergebnisse jährlich dem Bundestag zur Diskussion vorgelegt werden. Wegen der besonderen Bedingungen sollen Bio-Produkte separat betrachtet werden.
Ramona Pop forderte bei der Präsentation einer Machbarkeitsanalyse von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, dass die Bundesregierung Licht ins Dunkel der Preisgestaltung bringe. Transparenz könne dazu beitragen, zu hohe Preise im Einzelhandel zu verhindern, was besonders für einkommensschwache Haushalte wichtig sei. Die Preise für Lebensmittel hatten sich angesichts globaler Krisen wie dem Ukraine-Krieg und hohen Energiepreisen in den letzten Jahren stark erhöht, was zu einer erheblichen Teuerung führte. Im August 2023 lag der Preisanstieg für Lebensmittel bei 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bei einer allgemeinen Inflationsrate von 1,9 Prozent.
Der Handelsverband hielt dagegen, dass umfangreiche Meldepflichten und viele Möglichkeiten zum Preisvergleich bereits existierten. Eine neue Beobachtungsstelle würde den Wettbewerb eher behindern und womöglich zu höheren Preisen führen. Auch der Bauernverband erklärte, dass mehr Transparenz zwar grundsätzlich positiv sei, eine Preisbeobachtungsstelle allein aber keine Lösung bringe. Vielmehr bestehe ein Umsetzungsproblem, das nicht durch neue Erkenntnisse gelöst werde.
Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft zeigen internationale Beispiele, dass eine Preisbeobachtungsstelle in Deutschland machbar sei. Dies setze jedoch finanzielle Mittel und Personal voraus. Alle relevanten Akteure müssten in die Diskussion einbezogen werden, um Akzeptanz zu gewährleisten. Hans-Christian Behr erläuterte, welche Kostenfaktoren etwa den Preis von Rispentomaten beeinflussen – von Pflanzenschutz und Arbeitskosten über Verpackung bis hin zur Marge und Mehrwertsteuer im Handel.