Der deutsche Aktienmarkt konnte sich am Donnerstag über erfreuliche Gewinne freuen, ausgelöst durch neue Konjunkturdaten aus den USA. Diese zeigten, dass die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal ein geringeres Wachstumstempo verzeichnete als bisher angenommen und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stärker gestiegen waren als erwartet. Diese Nachrichten führten zu einer Beruhigung der zuletzt etwas gedämpften Zinssenkungserwartungen.
Während zu Jahresbeginn noch bis zu sechs Zinssenkungen in den USA erwartet worden waren, ist aktuell erst eine Zinssenkung bis Jahresende vollständig eingepreist. Die US-Notenbank zögert aufgrund der hartnäckigen Inflation, die sich nur langsam abschwächt, weiter.
Ein merkliches Minus bei den schwergewichtigen Software-Aktien von SAP verhinderte jedoch größere Gewinne für den DAX, der mit einem Plus von 0,13 Prozent bei 18.496,79 Punkten schloss. Von seinem Rekordhoch Mitte Mai bei knapp 18.900 Punkten ist der DAX noch etwas entfernt und hat somit auch die psychologische Marke von 19.000 Punkten nicht erreicht.
Der MDAX der mittelgroßen Werte gewann an Fronleichnam 0,81 Prozent auf 26.805,43 Punkte und konnte sich somit von seinem Kursrutsch am Vortag etwas erholen. An diesem Tag hatte die erneut gestiegene Inflation in Deutschland für Unmut gesorgt.
Die schwache Nachfrage im Cloudgeschäft bei Salesforce belastete deren Ausblick und wirkte sich auch negativ auf die Aktien von SAP aus. Analysten der UBS betonten, dass die Probleme umfassend und nicht nur auf Salesforce beschränkt seien. Die SAP-Aktien verloren mehr als vier Prozent.
Merck KGaA verzeichnete einen Rückgang von gut zwei Prozent, bedingt durch einen gesenkten Umsatzausblick des US-Konkurrenten Agilent Technologies.
Zu den besten Werten im DAX zählten die Autowerte. Papiere des Zulieferers Continental und des Sportwagenbauers Porsche AG legten jeweils rund zwei Prozent zu, unterstützt durch investorenfreundliche Schnäppchenjagd. An der Spitze des Leitindex standen jedoch Bayer-Aktien mit einem Plus von 4,2 Prozent.
Im SDAX stiegen die Titel des Nutzfahrzeugherstellers Traton nach einer Kaufempfehlung des Analysehauses Pareto um 3,7 Prozent. Die Modularisierung des Unternehmens biete enormes Profitabilitätspotenzial, wenn sie richtig umgesetzt werde, hieß es.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,38 Prozent auf 4.982,18 Punkte. Die Leitindizes in Paris und London konnten noch deutlicher zulegen. In New York hingegen notierte der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mit 0,9 Prozent im Minus.
Der Euro profitierte von den schwachen US-Daten und notierte zuletzt bei 1,0839 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0815 Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,9246 Euro.
Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 2,67 Prozent am Vortag auf 2,72 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,21 Prozent auf 123,43 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,22 Prozent auf 129,21 Punkte.