Die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten sind stets von großem Interesse, aber der Bericht am Freitag wird besonders intensiv beobachtet. Analysten gehen davon aus, dass der Arbeitsmarktbericht maßgeblich die Größe der ersten Zinssenkung der Federal Reserve in diesem Monat beeinflussen wird. Ökonomen rechnen laut einer Umfrage von Reuters mit 163.000 neuen Stellen im August, wobei die individuellen Prognosen stark variieren. Fed-Chef Jay Powell hatte beim jährlichen Symposium der Zentralbank in Wyoming im letzten Monat klar gemacht, dass er die Risiken eines schwächeren Arbeitsmarktes im Blick habe. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass Zeitpunkt und Umfang der Zinssenkungen weiterhin von zukünftigen Daten abhingen.
"Die Beschäftigungszahlen werden sowohl für die Märkte als auch für die Fed eine große Rolle spielen", sagte Kevin Flanagan, Leiter der festverzinslichen Strategie bei WisdomTree. "Wie Powell die Dinge in Jackson Hole dargestellt hat, hat die Beschäftigungsdaten nun in den Vordergrund gerückt."
Die Anleger sind sich noch unsicher, ob es bei der Fed-Sitzung Mitte September zu einer Senkung um 0,25 Prozentpunkte oder um 0,5 Prozentpunkte kommen wird. Laut dem Werkzeug FedWatch der CME sind die Futures derzeit am ehesten auf eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte eingestellt, was aber impliziert, dass es eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine tiefere Senkung gibt.
Die Zahlen vom Freitag gewinnen zusätzlich an Bedeutung, da der Bericht für Juli hinter den Erwartungen zurückblieb. Damals stiegen die Beschäftigungszahlen um 114.000, was deutlich unter den Erwartungen von 175.000 neuen Jobs lag und weltweit zu einem drastischen Marktrückgang führte.
Eine weitere Zahl, die weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, könnte erneut Ängste schüren, dass die Wirtschaft stärker als gedacht abkühlt, und würde die Markterwartungen auf eine Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte verstärken.
**Aktienindex FTSE 100 vor Rekordhoch**
Mehrere europäische Aktienindizes erreichten im August Rekordhöhen, und Investoren erwarten, dass Londons FTSE 100 bald folgen wird. Der britische Blue-Chip-Index schloss am Freitag mit einem kleinen Rückgang bei 8.376,6 Punkten, steht jedoch nur 70 Punkte, oder 0,8 Prozent, unter dem im Mai erreichten Rekordhoch von 8.445,8 Punkten.
Der Leitindex ist in diesem Jahr um 8,3 Prozent gestiegen, hat jedoch in den letzten drei Monaten nachgegeben. Die Stimmung beginnt sich jedoch zu drehen, da Investoren überzeugt sind, dass die Parlamentswahl im Juli ein politisches Zeitalter der Stabilität eingeläutet hat und weitere Anzeichen einer sinkenden Inflation beobachtet werden.
"Nach den jüngsten Wahlen gehört Großbritannien jetzt zu den Ländern mit geringerer politischer Unsicherheit in Europa, während es ähnliche Wachstumsaussichten hat," sagte Maximilian Uleer, Leiter der europäischen Aktien bei der Deutschen Bank. Die Bank hat den FTSE als ihren bevorzugten europäischen Index gelistet.
Der Optimismus wurde zusätzlich durch eine Aufwertung des Pfunds gegenüber dem Dollar, das in diesem Jahr bisher um 3,1 Prozent gestiegen ist, gestärkt. Dies beruhigte ausländische Investoren, die Sorgen hatten, dass ihr Kapital durch eine schwache Währung schnell an Wert verlieren könnte.
**Türkische Inflationsrate fällt drastisch**
Die Inflationsrate in der Türkei wird voraussichtlich im August stark gesunken sein und stärkt damit das Vertrauen der politischen Entscheidungsträger, dass das breit angelegte Wirtschaftsreformprogramm die galoppierende Preissteigerung abbremst. Laut einer Umfrage von FactSet unter Ökonomen wird erwartet, dass die Verbraucherpreise im August mit einer jährlichen Rate von 53 Prozent steigen, verglichen mit 62 Prozent im Vormonat.
Die Preissteigerung dürfte auch monatlich deutlich nachgelassen haben, nachdem sie im Juli auf 3,2 Prozent angestiegen war, als sich die Strompreiserhöhungen in der türkischen $1-Billionen-Wirtschaft niederschlugen.
Die Türkei hat die Geldpolitik stark gestrafft, um eine rationale Wirtschaftspolitik wiederherzustellen, was nach der Wiederwahl von Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Mai 2023 begann. Die Zentralbank hat den Leitzins von 8,5 Prozent im Juni 2023 auf 50 Prozent erhöht, um die überhitzende Konsumnachfrage zu dämpfen, die zu schweren wirtschaftlichen Ungleichgewichten geführt hatte.
Die neuen Maßnahmen, die auch Steuererhöhungen umfassen, zeigen frühe Anzeichen von Erfolg, indem sie das Leistungsbilanzdefizit verringern und die stark abgeschmolzenen Devisenreserven wieder aufbauen. Wirtschaftsexperten geben jedoch privat zu, dass ein Großteil des Inflationsrückgangs, der im Mai noch 75 Prozent betrug, auf das hohe Ausgangsniveau des Vorjahres zurückzuführen ist.
Die wahre Bewährungsprobe wird in den kommenden Monaten kommen, wenn Investoren ein klareres Bild davon bekommen werden, ob die Maßnahmen wirken. Türkische Marktteilnehmer erwarten laut einer Umfrage der Zentralbank, dass die Inflation bis zum Jahresende auf 43 Prozent fallen wird. Allerdings bleiben die Verbrauchererwartungen ungewiss, denn einer separaten Umfrage der Koç Universität in Istanbul zufolge erwarten die Haushalte bis Ende 2024 eine Inflation von 96 Prozent.