Abgeordnete des britischen Parlaments fordern eine Untersuchung gegen den Ticketverkäufer Ticketmaster, der beschuldigt wird, Fans der britischen Band Oasis durch sogenannte "dynamische Preisgestaltung" abzuzocken. Diese Praxis, bei der Ticketpreise in Abhängigkeit von der Nachfrage steigen, hat zu erheblichen Preissteigerungen geführt.
Ursprünglich erwarteten Fans, um die 150 Pfund pro Ticket für die Reunion-Tour der Band zu zahlen. Über Ticketmaster gemeldete Preise kletterten jedoch über das Wochenende auf über 300 Pfund pro Karte. Im Gegensatz zu anderen Plattformen setzte nur Ticketmaster auf diese dynamische Preisgestaltung.
Charlotte Nichols, Labour-Abgeordnete für Warrington North, sieht in dieser Praxis einen klaren Fall für eine Untersuchung und bezeichnete sie als "Abzocke". Sie kritisierte, dass diese Geschäftspraxis nur möglich sei, weil Ticketmaster eine nahezu monopolistische Position auf dem Markt innehabe.
Am Sonntag meldete sich auch Lucy Powell, Ministerin im Unterhaus und Präsidentin des Rates, zu Wort. Sie habe selbst für zwei Tickets in Heaton Park im Juli 350 Pfund pro Stück gezahlt, obwohl ursprünglich 148,50 Pfund pro Ticket veranschlagt wurden, zuzüglich einer Buchungsgebühr von 2,75 Pfund. Powell gab an, den Preisanstieg als problematisch zu empfinden, bezeichnete ihn aber zugleich als Funktion des Marktes.
Rupa Huq, Labour-Abgeordnete für Ealing Central und Acton, erklärte, dass die Thematik für eine Untersuchung durch den Ausschuss für Kultur, Medien und Sport reif sei. Das Umfeld beim Ticketverkauf erleichtere es, die Kunden auszunutzen, so Huq. Als langjährige Oasis-Fan berichtete sie von einem kostenlosen Open-Air-Konzert im Jahr 2000 und beklagte die hohen Ticketpreise im Vergleich.
Ein Sprecher von Ticketmaster erklärte, das Unternehmen setze die Ticketpreise nicht selbst fest. Es wird angenommen, dass die Preise von Veranstaltern bestimmt wurden. Ticketmaster, das größte Ticketing-Unternehmen in Großbritannien, führte die dynamische Preisgestaltung 2022 ein und betonte, dass das System dazu diene, Schwarzmarkthändler abzuschrecken.
Alex Sobel, Labour-Abgeordneter für Leeds Central und Headingley, plant, eine Untersuchung durch die Allparteien-Parlamentsgruppe für Musik zu fordern. Klare und transparente Prozesse beim Ticketverkauf seien unerlässlich, betonte Sobel.
Der Labour-Vorsitzende Sir Keir Starmer versprach im Rahmen eines vorwahlkampflichen Maßnahmenpakets zur Verbesserung des Schutzes für Musikfans, den Schwarzmarkt für Konzerttickets zu bekämpfen.
Ein Sprecher des britischen Ministeriums für Wirtschaft und Handel erklärte, dass jeder eine faire Chance verdienen sollte, seine Lieblingskünstler live zu sehen. Man wolle weitergehende Schutzmaßnahmen einführen, um Fans vor überhöhten Preisen durch Schwarzmarkthändler zu schützen.