05. Juli, 2026

Wirtschaft

Umbruch bei Thyssenkrupp Steel: Vorstände treten zurück und Management unter Beschuss

Umbruch bei Thyssenkrupp Steel: Vorstände treten zurück und Management unter Beschuss

Thyssenkrupp Steel, die defizitäre Stahlsparte des Industriegiganten Thyssenkrupp, befindet sich in einer tiefen Führungskrise. Nach dem Rücktritt von drei Spitzenmanagern hagelt es scharfe Kritik vom Aufsichtsratsvorsitzenden des Mutterkonzerns, Siegfried Russwurm. Russwurm, zugleich Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), prangerte an, dass das Management seit Jahren an den strukturellen Herausforderungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Stahlbranche scheitere.

Die missliche Lage des Stahlunternehmens soll durch eine umfassende Restrukturierung und Verselbstständigung behoben werden. Doch die Umsetzung dieser Pläne verlief bisher alles andere als reibungslos. Insbesondere der Finanzierungsweg durch den Mutterkonzern sorgte für heftige Konflikte zwischen der Konzernspitze und dem Stahl-Management. Erst kürzlich verließen Stahlchef Bernhard Osburg sowie die Produktions- und Personalvorstände abrupt ihre Positionen, gefolgt von vier Aufsichtsratsmitgliedern, darunter der bisherige Vorsitzende Sigmar Gabriel. Gabriel beschuldigte Konzernchef Miguel López manipulativer Kampagnen gegen das Stahlmanagement und warf Russwurm indirekt Passivität vor.

Russwurm wiederum kritisierte das Steel-Management scharf für seine Verfehlungen. Trotz mehrfacher Restrukturierungsprogramme blieben die erhofften Ergebnisse aus. Der anhaltende Liquiditätsverbrauch der Stahlsparte schade nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den übrigen Geschäftsbereichen und den Aktionären. Vor diesem Hintergrund erfolgte die Trennung von den drei langjährigen Vorstandsmitgliedern in gegenseitigem Einvernehmen.

Die Leitung des Stahlsegments wird nun von Dennis Grimm und Philipp Conze weitergeführt. Ein strukturierter Prozess zur Besetzung der vakanten Vorstandsposten sei zeitnah geplant, teilte das Unternehmen mit. In der Zwischenzeit übernehme Grimm zusätzlich die Funktion des Vorstandssprechers. Auch über die Neubesetzung der Aufsichtsratssitze und die Nachfolge von Sigmar Gabriel soll kurzfristig entschieden werden.

Die langanhaltende Konjunkturschwäche und Billigimporte belasten die Stahlsparte schwer. Dies führt zu einem unvermeidlichen Abbau von Kapazitäten und Personal. Welche Auswirkungen das jüngste Führungsbeben auf die Zukunft der 27.000 Beschäftigten haben wird, davon allein 13.000 in Duisburg, bleibt jedoch ungewiss. Der Betriebsrat befürchtet im Zuge der Restrukturierung massive Arbeitsplatzverluste und spricht von einer möglichen „Halbierung der Hütte“.