15. Mai, 2026

Politik

Ukrainische Kriegsstimmung wandelt sich: Diplomatie gewinnt an Boden

Ukrainische Kriegsstimmung wandelt sich: Diplomatie gewinnt an Boden

Die militärischen Fortschritte Russlands in der Ukraine, die in den vergangenen 30 Tagen eine Fläche von 645 Quadratkilometern erobert haben, führen zu einem Stimmungswandel innerhalb der ukrainischen Gesellschaft. Laut einer aktuellen Umfrage von Gallup, die Mitte November veröffentlicht wurde, befürworten mittlerweile 52 % der Ukrainer Verhandlungen zur Beendigung des Krieges. Dies zeigt einen erheblichen Anstieg im Vergleich zu 27 % im Vorjahr. Die Entschlossenheit, 'bis zum Sieg' zu kämpfen, ist dagegen von 63 % im Jahr 2023 auf 38 % gesunken. Sogar Präsident Wolodymyr Selenskyj deutet auf eine diplomatische Lösung im kommenden Jahr hin, insbesondere nach der Wiederwahl von Donald Trump, der verspricht, den Konflikt binnen eines Tages beenden zu können.

Die im August und Oktober 2024 durchgeführten Umfragen zeigen, dass die Unterstützung für den Widerstand gegen Russland in allen Teilen der Ukraine gesunken ist. In der Hauptstadt Kiew sank die Unterstützung um 39 Prozentpunkte seit 2022, während in den östlichen Regionen nahe der Frontlinie nur noch 27 % der Befragten für eine Fortsetzung des Krieges sind. Etwa die Hälfte der Befürworter von Verhandlungen zeigt sich bereit, territoriale Zugeständnisse zu machen, nachdem Russland seit 2014 19 % des ukrainischen Landes erobert hat. Der Wunsch nach Nato-Mitgliedschaft innerhalb des nächsten Jahrzehnts ist ebenfalls zurückgegangen, von 69 % im Jahr 2023 auf 51 %.

Das schwindende Vertrauen in die Unterstützung durch den Westen könnte ein weiterer Faktor für diesen Wandel sein. Besonders die Führungsrolle Amerikas wird zunehmend kritisch gesehen, da dessen militärische Hilfe in den innenpolitischen Konflikten der USA verstrickt ist. Vor Präsident Joe Bidens Lockerung der Beschränkungen für die Verwendung amerikanischer Waffen durch die Ukraine, darunter auch Langstreckenraketen, wurde die Umfrage durchgeführt.

Mit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar ist möglicherweise mit einer Reduzierung der Unterstützung zu rechnen, was zusätzlichen Druck auf die Ukraine für die Annahme eines Friedensabkommens ausüben könnte. Dass Wladimir Putin einem solchen Abkommen zustimmt, bleibt abzuwarten.