Siemens kann auf ein weiteres starkes Quartal zurückblicken, gestützt durch anhaltend gute Geschäfte im Bereich intelligenter Infrastruktur. Der Technologiekonzern verzeichnete im dritten Geschäftsquartal sowohl einen Umsatz- als auch einen Gewinnanstieg. "Wir profitierten weiterhin von der anhaltend hohen Nachfrage bei der Elektrifizierung", erläuterte Konzernchef Roland Busch. Eine robuste Entwicklung zeigte auch das industrielle Softwaregeschäft.
Die Sparte Fabrikautomation, die lange als Wachstumsmotor diente, bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere in China zieht sich der Abbau voller Lagerbestände hin, was den Preisdruck und die Wettbewerbsintensität in der Region erhöht.
Anfangs verlor die Siemens-Aktie am Donnerstag deutlich, doch am Nachmittag drehte die Stimmung und die Aktie legte fast um zwei Prozent zu. Positive Analystenkommentare stärkten dieses Vertrauen, indem sie die starken Ergebnisse in den Bereichen Smart Infrastructure und Software hervorhoben. Bernstein-Analyst Nicholas Green bemängelte jedoch die schwache Entwicklung der Zugsparte und anhaltende Probleme im Automatisierungsgeschäft.
Im dritten Geschäftsquartal stiegen die Erlöse um vier Prozent auf 18,9 Milliarden Euro, wobei das vergleichbare Wachstum fünf Prozent betrug. Das industrielle Geschäftsergebnis legte um elf Prozent auf 3 Milliarden Euro zu, maßgeblich getragen durch die Sparten Smart Infrastructure und die Medizintechniktochter Siemens Healthineers. Der Nettogewinn nach Steuern stieg um fast die Hälfte auf 2,1 Milliarden Euro.
Der Bereich Smart Infrastructure verzeichnete den größten Wachstumsbeitrag, beflügelt durch den Boom künstlicher Intelligenz und die beschleunigte Energiewende. Busch erläuterte, dass sowohl der Bau neuer Rechenzentren als auch die Erweiterung der Stromnetze zur Aufnahme erneuerbarer Energien entscheidende Faktoren seien.
Im Segment Digital Industries konnte ein starkes Softwaregeschäft die Schwächen in der Industrieautomation nicht wettmachen. Busch verwies auf die schwierige Wirtschaftslage in Europa und China, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau und Automobilindustrie.
Finanzvorstand Ralf Thomas erwartet, dass der Abbau der Lagerbestände in China noch bis ins Geschäftsjahr 2025 andauern wird. In Europa und den USA rechnet er jedoch mit einer Normalisierung der Lagerbestände bis Ende des Geschäftsjahres 2024.
Trotz der Herausforderungen bekräftigte Siemens seine Jahresprognose. Die Marge im Digitalgeschäft dürfte allerdings am unteren Ende der erwarteten Spanne liegen, während bei Smart Infrastructure eine Marge am oberen Ende erwartet wird.
Konzernchef Busch rechnet für das Geschäftsjahr weiterhin mit einem Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von vier bis acht Prozent, wobei das Plus am unteren Ende der Spanne liegen soll. Der bereinigte Gewinn pro Aktie wird zwischen 10,40 und 11,00 Euro erwartet.
Obwohl das Neugeschäft im dritten Quartal um 16 Prozent zurückging, bedingt durch einen Rückgang in der Zugsparte Mobility, konnte Smart Infrastructure prozentual zweistellig zulegen. Das Softwaregeschäft in der Digitalsparte wuchs ebenfalls stark durch große Lizenzaufträge, auch wenn sich dies voraussichtlich nicht wiederholen wird. Der Auftragseingang in der Automatisierung sank hingegen "moderat".