In der Vergangenheit hat Großbritannien wiederholt wichtige nationale Unternehmen an ausländische Investoren verkauft, oft ohne Rücksicht auf langfristige Folgen für Beschäftigung und Steuerbasis. Kritiker behaupten, dass dies oft als ein Akt von Selbstschädigung betrachtet werden kann, der zugunsten kurzfristiger finanzieller Vorteile einzelner Profiteure geschieht.
Ein aktuelles Beispiel ist die Übernahme der Royal Mail durch den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky für 3,6 Milliarden Pfund. Dieses Ereignis markiert das erste Mal in der 508-jährigen Geschichte der Royal Mail, dass das Unternehmen in private Hände fällt und erstmals vollständig unter ausländische Kontrolle gerät. Die britische Regierung hat die Übernahme zur Prüfung möglicher nationaler Sicherheitsrisiken, einschließlich Verbindungen zu Russland, aufgerufen, aber eine Blockade scheint unwahrscheinlich.
Eine der ersten Maßnahmen unter der neuen Führung könnte die Abschaffung der Samstagszustellung von zweiten Klasse Briefen sein, was zu erheblichen Einsparungen bei den Kosten führen könnte. Dies erscheint angesichts der stark zurückgegangenen Brieffreigaben logisch; von einem Höchststand von 20 Milliarden jährlichen Briefsendungen ist das Volumen auf nur noch 6,7 Milliarden gesunken. Der Fokus verlagert sich entsprechend auf den Paketmarkt, wo Royal Mail mit Konkurrenten wie Amazon um Marktanteile kämpft.
Die jüngste Übernahme von Evri durch die Private-Equity-Firma Apollo für 2,3 Milliarden Pfund zeigt, dass der Wettbewerb im Paketmarkt intensiver wird. Kritiker warnen jedoch davor, dass eine Verwässerung des universellen Dienstes der Royal Mail langfristig zum Niedergang des postalischen Dienstes führen könnte.
Die Preise für Briefmarken sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen, während die Servicequalität nicht entsprechend verbessert wurde. Startender Postdurchlauf und Berichte über regelmäßig verspätete Zustellungen unterstreichen diese Problematik.
Es besteht die Befürchtung, dass eingesparte Gelder vornehmlich dazu verwendet werden, die Schulden des neuen Eigentümers zu bedienen, anstatt in die Stärkung des Unternehmens zu fließen. Insgesamt könnten diese Entwicklungen dazu führen, dass die Royal Mail eher als Profitschmiede ihrer Eigentümer wahrgenommen wird, anstatt als zuverlässiger Dienstleister für die britische Bevölkerung.