30. Juli, 2026

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Revolut öffnet die Welt der Milliardäre für jedermann: Private-Equity-Investments schon ab einem Euro

Apollo, Ares und Partners Group künftig für Kleinanleger zugänglich. Doch ausgerechnet jetzt kämpfen viele dieser Fonds mit einer Rückzugswelle enttäuschter Anleger.

Revolut öffnet die Welt der Milliardäre für jedermann: Private-Equity-Investments schon ab einem Euro
Revolut bietet Kunden Zugang zu Apollo- und Ares-Fonds schon ab einem Euro, mitten in einer Rückzugswelle der Branche.

Revolut macht das exklusivste Segment der Finanzwelt für Privatanleger zugänglich

Was bislang fast ausschließlich vermögenden Institutionen und Millionären vorbehalten war, öffnet sich jetzt für die breite Masse. Das Fintech-Unternehmen Revolut kündigte am Montag an, europäischen Kunden künftig Zugang zu Fonds aus den Bereichen Private Equity, Privatkredite und Infrastruktur zu bieten. Kunden in Ländern wie Frankreich und Spanien können damit in Fonds von Schwergewichten wie Apollo Global Management, Ares Management, Hamilton Lane und Partners Group investieren.

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Das Bemerkenswerte an dem Angebot ist die Einstiegshürde, oder besser gesagt, das komplette Fehlen einer solchen. Kunden können laut Rolandas Juteika, verantwortlich für Vermögensverwaltung und Trading bei Revolut im Europäischen Wirtschaftsraum, bereits mit einem einzigen Euro in die Fonds einsteigen. Für ein Marktsegment, das traditionell mit Mindestinvestitionen im sechsstelligen Bereich verbunden ist, markiert das einen fundamentalen Bruch mit der bisherigen Branchenlogik.

Private-Equity-Riesen entdecken die breite Masse als neue Kapitalquelle

Die Partnerschaft zwischen Revolut, das nach eigenen Angaben mehr als 75 Millionen Nutzer zählt, und den großen Namen der Privatmarktbranche ist eines der prominentesten Beispiele für einen Trend, der die gesamte Branche derzeit umtreibt. Alternative Vermögensverwalter suchen zunehmend nach Wegen, Kleinanleger als neue Kapitalquelle zu erschließen, nachdem institutionelles Geld allein offenbar nicht mehr ausreicht, um das bisherige Wachstumstempo zu halten. Bloomberg hatte bereits im Februar über frühe Gespräche zwischen Revolut und Apollo zu einem solchen Angebot berichtet.

Revolut ist mit diesem Vorstoß bei Weitem nicht allein. Der deutsche Online-Broker Trade Republic hatte sich im vergangenen Jahr bereits mit Apollo und dem schwedischen Investor EQT zusammengetan, während Robinhood Markets in den USA einen geschlossenen Fonds aufgelegt hat, um amerikanischen Kleinanlegern Zugang zu nicht börsennotierten Unternehmen zu verschaffen. Der Wettlauf um das Kapital der breiten Masse ist damit längst branchenweit im Gange.

Ausgerechnet jetzt kämpfen viele dieser Fonds mit einer Rückzugswelle

Pikant an dem Timing der Ankündigung ist der Zustand, in dem sich der Privatmarktsektor derzeit befindet. Zahlreiche Fondsvehikel sahen sich in den vergangenen Monaten mit einer regelrechten Welle von Rückzugsanfragen konfrontiert, größtenteils ausgelöst von genau jenen vermögenden Privatanlegern, die zuvor das jüngste Wachstum der Branche mitangetrieben hatten. Sowohl Apollo als auch Ares gehören zu den Anbietern, die daraufhin Rücknahmen ihrer Fonds einschränken mussten. Auch Partners Group entschied sich erst im vergangenen Monat, die Rückzüge aus einem wichtigen, unbefristet laufenden Buyout-Fonds angesichts des erhöhten Drucks zu deckeln.

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Dass ausgerechnet in dieser angespannten Phase der Zugang für Kleinanleger noch weiter geöffnet wird, wirft zwangsläufig Fragen auf. Für die Fondsmanager bedeutet ein größerer, breiter gestreuter Anlegerkreis potenziell mehr Stabilität, da Kleinanleger einzeln betrachtet geringere Summen bewegen als institutionelle Großinvestoren. Gleichzeitig bringt genau diese Öffnung neue Risiken mit sich, wenn viele Kleinanleger in Stresssituationen gleichzeitig versuchen, ihr Kapital abzuziehen.

Revolut verzichtet auf zusätzliche Gebühren doch verdient trotzdem mit

Bei der Preisgestaltung positioniert sich Revolut betont kundenfreundlich. Über die individuellen Gebühren der jeweiligen Fonds hinaus verlangt das Unternehmen weder zusätzliche Plattform- noch Transaktionsgebühren von seinen Kunden. Auch die Fondsmanager selbst zahlen laut einem Unternehmenssprecher keine Platzierungsgebühren, um auf der Plattform gelistet zu werden. Stattdessen erhält Revolut sogenannte Retrozessionen für die jeweils relevante Anteilsklasse der Fonds, Zahlungen, die laut Unternehmensangaben für alle Vertriebspartner einer bestimmten Anteilsklasse identisch ausfallen.

Revolut betont zudem ausdrücklich, dass die angebotenen Privatmarktfonds gezielt für Anleger mit einem mehrjährigen Anlagehorizont konzipiert seien, die nicht auf einen sofortigen Zugriff auf ihr Kapital angewiesen sind, ein wichtiger Hinweis angesichts der Illiquidität, die für Private-Equity-Investments typisch ist und die zuletzt gerade zu den beschriebenen Rückzugsproblemen bei anderen Anbietern geführt hatte.

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Ein neunköpfiges Team soll die Spreu vom Weizen trennen

Um die Qualität der angebotenen Fonds sicherzustellen, hat Revolut ein Team aus neun sogenannten Kernmitgliedern aufgebaut, deren Aufgabe darin besteht, die Erfolgsbilanz der Fondsmanager sowie deren Fähigkeit zu bewerten, Rückzugsanfragen angemessen zu bewältigen. Genau dieser zweite Punkt erweist sich angesichts der aktuellen Branchenlage als besonders relevant. Fondsmanager, die keine belastbare Historie im Umgang mit Rücknahmeanforderungen vorweisen konnten, seien für das Angebot gar nicht erst in Betracht gezogen worden, erklärte Juteika.

Diese Auswahllogik zeigt, dass Revolut sich der Risiken durchaus bewusst ist, die mit dem Vertrieb illiquider Anlageprodukte an eine breite Kundenbasis einhergehen, selbst wenn das Unternehmen gleichzeitig den Zugang so niedrigschwellig wie möglich gestaltet.

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Für Revolut ist das Angebot Teil einer größeren Strategie zur Einnahmediversifizierung

Der Vorstoß in die Privatmarktfonds passt zu einer übergeordneten Unternehmensstrategie. Wie viele seiner Konkurrenten versucht Revolut, seine Einnahmequellen stärker in gebührenintensive Bereiche wie Vermögensverwaltung und Zahlungsverkehr zu diversifizieren, um die eigene Abhängigkeit von Marktvolatilität zu verringern. Bereits heute stammen 76 Prozent der Unternehmenserlöse aus gebührenbasierten Einnahmen abseits klassischer Zinsgeschäfte. Allerdings hatte sich das Umsatzwachstum im Vermögensverwaltungssegment im vergangenen Jahr nach einem rasanten Anstieg 2024 bereits spürbar verlangsamt.

Revolut bietet seinen Kunden bereits Giro- und Sparkonten, internationale Geldtransfers, den Handel mit Kryptowährungen und Aktien sowie Werkzeuge für Rechnungszahlungen und Budgetierung an. Das Unternehmen strebt mittelfristig 100 Millionen Kunden in 100 Ländern sowie einen Umsatz von 100 Milliarden Dollar an, ambitionierte Ziele, für die ein weiter ausdifferenziertes Produktangebot wie der jetzige Schritt in die Privatmärkte offenbar als notwendiger Baustein gilt.

Für Kleinanleger bedeutet das neue Angebot einen historisch niedrigschwelligen Zugang zu einer Anlageklasse, die einst fast ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten war. Ob sich dieser demokratisierte Zugang am Ende als Chance oder als Risiko erweist, dürfte sich vor allem dann zeigen, wenn die nächste größere Rückzugswelle durch die Privatmärkte rollt und plötzlich auch Anleger mit einem einzigen investierten Euro betrifft.