Nvidia schnürt ein Deal-Paket das selbst Wall Street schwindelig macht
Nvidia treibt seine Investitionsoffensive in die KI-Infrastruktur auf ein neues Niveau. Der weltweit wertvollste Konzern arbeitet nach Informationen von Bloomberg derzeit an einer neuen Runde von Vereinbarungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 750 Milliarden Dollar. Damit beschleunigt sich eine Serie von Investitionen, die Kritiker längst als künstlichen Nachfrage- und Bewertungstreiber der gesamten Branche bezeichnen.
Der Umfang dieser Zahl ist selbst für ein Unternehmen mit Nvidias Größenordnung außergewöhnlich. Innerhalb weniger Tage kündigte der Chiphersteller gleich zwei Megadeals an, einen mit dem südkoreanischen Speicherchip-Konzern SK Hynix im Umfang von über 500 Milliarden Dollar sowie mögliche Finanzierungszusagen für den KI-Anbieter OpenAI in Höhe von bis zu 600 Milliarden Dollar. Allein in diesem Jahr hat Nvidia damit nach eigenen Angaben bereits Deals im Volumen von mehr als 540 Milliarden Dollar verkündet, ohne die möglichen neuen Vereinbarungen mit OpenAI mitzurechnen.
Der Pakt mit SK Hynix soll eine halbe Billion Dollar bewegen
Im Zentrum der jüngsten Ankündigung steht die Muttergesellschaft von SK Hynix, einem der beiden weltweit größten Hersteller von Speicherchips, neben Samsung Electronics. Nvidia und die SK Group wollen gemeinsam mehr als zwei Gigawatt an KI-Rechenzentren auf der koreanischen Halbinsel errichten, eine Energiemenge, die ausreichen würde, um rund 1,5 Millionen Haushalte zu versorgen. Die erste dieser sogenannten KI-Fabriken, gebaut von SK Telecom, soll bereits im kommenden Jahr eröffnen.
Nvidia-Chef Jensen Huang zeigte sich im Interview mit Bloomberg Television euphorisch über die Partnerschaft und sprach von einem goldenen Zeitalter für Korea, ein Land, das nach seinen Worten der Welt beim Aufbau der KI-Infrastruktur helfen könne. Konkret beziffert Huang das gemeinsame Geschäftsvolumen zwischen beiden Unternehmen, inklusive Nvidias Speicherchip-Einkäufen und SK Groups Käufen von Nvidia-Supercomputern, auf rund eine halbe Billion Dollar. Zusätzlich zu diesem Großdeal investierte Nvidia am Freitagabend eine Milliarde Dollar in den koreanischen Internet- und Cloud-Anbieter Naver, dessen Aktie in Seoul daraufhin um mehr als 8 Prozent zulegte.

Noch gewaltiger könnte das Engagement bei OpenAI ausfallen
Parallel dazu verhandelt Nvidia über eine Finanzierungsgarantie von bis zu 250 Milliarden Dollar, um dem ChatGPT-Entwickler OpenAI die Anmietung von Rechenkapazität in einem gewaltigen Rechenzentrumsprojekt zu ermöglichen. Der Standort in Ohio, entwickelt von einer Tochtergesellschaft der japanischen SoftBank Group, soll ein Volumen von 500 Milliarden Dollar und eine Leistung von 10 Gigawatt erreichen. Zusätzlich diskutiert Nvidia laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen, Einkäufe von OpenAI im Wert von 350 Milliarden Dollar direkt zu finanzieren.
Die Verhandlungen befinden sich nach Angaben der Insider noch in einer frühen Phase und könnten scheitern oder sich in den Konditionen noch verändern. Sollte die Vereinbarung tatsächlich zustande kommen, könnte sie helfen, Bedenken von Kreditgebern zu zerstreuen, die einem nicht börsennotierten und bislang unprofitablen Unternehmen wie OpenAI angesichts seines rasant wachsenden Rechenbedarfs bislang skeptisch gegenüberstanden.
Kritiker warnen vor einem gefährlichen Kreislaufgeschäft
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik an. Beobachter warnen seit Monaten vor dem zirkulären Charakter solcher Vereinbarungen, denn die Unternehmen, an denen sich Nvidia beteiligt oder die der Konzern finanziert, kaufen oder nutzen in aller Regel wiederum Nvidias eigene Chips. Portfoliomanager Gary Tan von Allspring Global Investments bringt die Sorge der Investoren auf den Punkt, Kapital werde zunehmend genutzt, um künftige KI-Kunden und Infrastrukturprojekte überhaupt erst zu finanzieren.

Auch Billy Leung, Anlagestratege bei Global X Management, sieht in den Garantien ein zweischneidiges Signal. Eine tiefere Verzahnung der Lieferantenfinanzierung sei ebenso sehr ein Hinweis auf finanzielle Anspannung im KI-Ausbau wie auf echte Nachfrage, so Leung. Das eigentliche Risiko solcher Transaktionen liegt darin, dass sie verzerrte Anreize über eine Vielzahl von Branchen hinweg schaffen, Fehlentscheidungen begünstigen und Verluste verstärken könnten, sollte die tatsächliche Nachfrage nach KI-Anwendungen hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückbleiben.
Auch die Konkurrenz von Google und SoftBank treibt das gleiche Spiel
Nvidia steht mit diesem Geschäftsmodell keineswegs allein da. Auch Google sicherte kürzlich Leasingzahlungen an fünf Rechenzentrumsstandorten für den OpenAI-Rivalen Anthropic ab, ein Konstrukt, das faktisch einem Kredit von 35 Milliarden Dollar entspricht. Solche Vereinbarungen verflechten die gesamte KI-Branche zunehmend miteinander und setzen sie damit potenziellen systemischen Schocks aus, verstärkt durch die branchenweit steigende Verschuldung, mit der viele KI-Unternehmen ihre Rechenzentrums- und Chipprojekte finanzieren.
Besonders deutlich zeigt sich diese Abhängigkeit bei SoftBank. Der japanische Investor hat bis Oktober rund 65 Milliarden Dollar allein in OpenAI investiert und dafür eine der größten je im asiatisch-pazifischen Raum vergebenen Brückenfinanzierungen aufgenommen, im Volumen von 40 Milliarden Dollar. Ein Großteil der Erträge des Konzerns hängt inzwischen an Bewertungsgewinnen aus dieser Beteiligung sowie an der Aussicht auf einen möglichen künftigen Börsengang von OpenAI, eine Wette, die unter Investoren zunehmend für Unruhe sorgt.

Jensen Huang weist die Vorwürfe der Zirkularität entschieden zurück
Nvidia-Chef Huang selbst wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, sein Unternehmen betreibe ein zirkuläres Finanzierungsgeschäft, obwohl der Konzern eben jene Firmen unterstützt, die anschließend zu den größten Käufern seiner Chips zählen. Bereits im Januar, mit Blick auf die Investition in den Cloud-Anbieter CoreWeave, wies er die Kritik zurück und bezeichnete den Vorwurf der Zirkularität als lächerlich.
Am Ende bleibt die zentrale Frage für Anleger dieselbe, unabhängig davon, wie man die einzelnen Deals einordnet. Ein Geflecht aus Garantien, Beteiligungen und Vorabfinanzierungen kann so lange stabil erscheinen, wie die zugrundeliegende Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz weiter wächst. Verlangsamt sich dieses Wachstum jedoch spürbar, könnte genau jenes Netz aus wechselseitigen Verpflichtungen, das heute als Wachstumsmotor gilt, zum größten Risiko der gesamten Branche werden.