Der Trend des interregionalen Pendelns in Deutschland setzt sich ungebremst fort. Eine wachsende Zahl an Berufstätigen verlässt tagtäglich die östlichen Bundesländer, um ihrer Arbeit im Westen nachzugehen. Laut aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit verzeichnet diese Bewegung mit nahezu 447.000 Menschen einen Höchststand und zeigt eine deutliche Steigerung gegenüber den Zahlen vor einem Jahrzehnt. Diese Dynamik spiegelt sich ebenso in umgekehrter Pendelrichtung wider, wo die Zahl binnen desselben Zeitraums mehr als verdoppelt wurde.
Jan Korte, Bundestagsmitglied der Linken, sieht darin den Beweis für den Zwang zu arbeitsbedingten Langstreckenfahrten zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. Korte, dessen politische Heimat in Sachsen-Anhalt liegt, deutet die Entwicklungen als Indiz, dass die einst verheißungsvolle Vision blühender Landschaften im Osten nicht eingetreten ist.
Ein übergreifender Anstieg des Pendelverkehrs wird auch durch Studienergebnisse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung bestätigt. Zum Stichtag 30. Juni 2022 arbeiteten demnach 20,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Menschen außerhalb ihres Wohnortes; mehr als die Hälfte pendelte dabei über größere Distanzen, was aber durch flexible Homeoffice-Optionen nicht täglich der Fall ist. Diese Trends könnten kleinere Städte aufgrund der größeren Flexibilität als Wohnorte attraktiver machen.
Die Mobilitätswende liegt Korte zufolge in weiter Ferne, und aktuelle Regelungen wie die Pendlerpauschale verstärken Ungerechtigkeit, indem sie vor allem Besserverdienern zugutekommen. Korte plädiert für ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld pro Kilometer und betont die Notwendigkeit, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern sowie strukturpolitische Maßnahmen im Osten zu fördern. Diese Initiativen sollen helfen, den Pendlerverkehr zu reduzieren und Alternativen zum Auto attraktiver zu machen.