Der Medienriese ProSiebenSat.1 sieht sich aufgrund regulatorischer Unklarheiten in seinem Gutscheingeschäft mit erheblichen Strafzahlungen konfrontiert. Ende Juni wurde eine Rückstellung im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich gebildet, wie das im SDax geführte Unternehmen am Donnerstag in Unterföhring bei München mitteilte. Die Staatsanwaltschaft München I prüft Bußgelder gegen verschiedene Gruppengesellschaften des Unternehmens, bestätigte eine Sprecherin.
Im Fokus der Ermittlungen steht das Gutscheingeschäft der Jochen Schweizer mydays Group, das bereits erhebliche Belastungen für den Konzern mit sich brachte. Eine Untersuchung der Finanzaufsicht BaFin führte Ende Februar 2023 zur kurzfristigen Verschiebung des Jahres- und Konzernabschlusses. Auch die Hauptversammlung musste neu terminiert werden, was bei Großaktionären wie MediaForEurope (MFE) für Unmut sorgte.
Die Aktien von ProSiebenSat.1 verzeichneten am Donnerstag einen Rückgang von rund drei Prozent und schlossen bei sechs Euro. Damit gehörte das Papier zu den schwächeren Werten im SDax. Trotz eines Anstiegs von knapp acht Prozent seit Jahresbeginn mussten Langzeitinvestoren, die das Papier seit einem Jahr halten, einen Verlust von etwa 27 Prozent hinnehmen. Vom Allzeithoch im November 2015 bei etwas über 50 Euro ist die Aktie mittlerweile um fast 90 Prozent gefallen.
Der Umsatz des Unternehmens stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent auf 907 Millionen Euro. Das Wachstum im E-Commerce-Segment konnte einen Rückgang im Dating-Bereich kompensieren. Gleichzeitig blieben die TV-Werbeerlöse stabil, während der Streamingdienst Joyn deutliche Zuwächse erzielte.
Vorstandschef Bert Habets betonte, dass ProSiebenSat.1 durch strategische Partnerschaften mit Sky und Deutsche Telekom seine Reichweite erhöhen konnte. Der Fokus auf das Entertainment-Geschäft habe bei steigender Kosteneffizienz Früchte getragen. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda stieg um 15 Prozent auf 91 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn kletterte auf 25 Millionen Euro, verglichen mit 4 Millionen Euro im Vorjahr.
Zur weiteren Reduktion von Schulden plant ProSiebenSat.1 den Verkauf der Anteile am Verbraucherportal Verivox und dem Online-Kosmetikhändler Flaconi. Analysten sind geteilter Meinung über die finanziellen Aussichten des Unternehmens. Während Nizla Naizer von DB Research schwache Werbeerlöse monierte, lobte Annick Maas von Bernstein Research den positiven Einfluss des Entertainment-Segments.