07. Juli, 2026

Wirtschaft

ProSiebenSat.1 rechnet mit Millionen-Strafen, Umsätze steigen trotz Unklarheiten im Gutscheingeschäft

ProSiebenSat.1 rechnet mit Millionen-Strafen, Umsätze steigen trotz Unklarheiten im Gutscheingeschäft

Der Münchner Medienkonzern ProSiebenSat.1 steht aufgrund von Ungewissheiten im Gutscheingeschäft vor möglichen Strafzahlungen in Millionenhöhe. Im Juni wurden entsprechende Rückstellungen im unteren einstelligen Millionenbereich gebildet, wie das SDax-Unternehmen nun bekannt gab. Die Staatsanwaltschaft München I plant, Bußgelder gegen verschiedene Gruppengesellschaften zu verhängen. Die Probleme im Gutscheingeschäft, insbesondere bei der Jochen Schweizer mydays Group, haben den Konzern erheblich belastet. Die Finanzaufsicht BaFin prüft den Fall, was bereits Ende Februar zur Verschiebung der Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses führte. Auch die Hauptversammlung musste daraufhin neu terminiert werden. Der Großaktionär MediaForEurope (MFE) reagierte verärgert auf die Verzögerungen. Trotz dieser Herausforderungen verzeichnete ProSiebenSat.1 im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg um 4,5 Prozent auf 907 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Besonders das E-Commerce-Segment konnte punkten und den Umsatzrückgang im Dating-Bereich ausgleichen. Während die TV-Werbeumsätze stabil blieben, legte der Streamingdienst Joyn kräftig zu. Der Vorstandsvorsitzende Bert Habets betonte, dass ProSiebenSat.1 nun Werbetreibenden eine TV- und Digitalreichweite in Kombination anbiete. Durch Partnerschaften mit dem Abosender Sky und der Deutschen Telekom sei die Reichweite gestiegen. Zudem fange der Schwerpunkt auf das Entertainment-Geschäft mit höheren Programminvestitionen und gesteigerter Kosteneffizienz an, Früchte zu tragen. Trotz erhöhter Ausgaben für Programme stieg das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 15 Prozent auf 91 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn lag bei 25 Millionen Euro, verglichen mit 4 Millionen Euro im Vorjahr. In den letzten zwölf Monaten baute der Konzern 500 Stellen ab. Durch den geplanten Verkauf der Anteile am Verbraucherportal Verivox und dem Online-Kosmetikhändler Flaconi soll die Verschuldung weiter gesenkt und mehr in eigene Programme und Digitalisierung investiert werden.