Der europäische Staatsanleihemarkt zeigt sich am Montag angesichts der Ankündigung von Neuwahlen in Frankreich nervös. Insbesondere französische Staatspapiere waren von deutlichen Kursverlusten betroffen, wodurch die Renditen im Mittagshandel stark zulegten. Der Zinssatz für zehnjährige französische Anleihen kletterte zwischenzeitlich auf 3,19 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit November.
Die Marktentwicklung steht in direktem Zusammenhang mit der Reaktion des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf das kürzlich erzielte Ergebnis bei den Europawahlen. Nach dem schwachen Abschneiden seiner Allianz entschied Macron am Sonntagabend, die Nationalversammlung aufzulösen und Neuwahlen in zwei Wahlgängen am 30. Juni und 7. Juli durchzuführen. "Ich kann also am Ende dieses Tages nicht so tun, als ob nichts geschehen wäre", kommentierte Macron seinen Entschluss.
Die Dekabank bewertet Macrons Vorgehen als äußerst riskant. Der Präsident wagt mit der Auflösung des Parlaments und den Neuwahlen nach dem Misserfolg bei der Europawahl ein großes politisches Experiment. Die Experten der US-Bank JPMorgan sehen in den vorgezogenen Neuwahlen die Gefahr, dass eine Mehrheit gegen Macrons pro-europäisches Mitte-Lager entstehen könnte. Sollte dies eintreten, wäre Macron gezwungen, einen Premierminister nach den Vorstellungen der neuen Mehrheit zu ernennen, was zu einer sogenannten Kohabitation führen würde. In diesem Szenario wäre Macrons Einfluss auf die Innenpolitik erheblich eingeschränkt und würde sich weitgehend auf Außenpolitik, Verteidigung und Justiz beschränken.
Die europäischen Anleihemärkte reagierten generell mit steigenden Renditen auf die Ergebnisse der Europawahlen. Neben den französischen Papieren verzeichneten auch italienische Anleihen erhebliche Renditeanstiege. Demgegenüber legten die Renditen von Bundesanleihen nur leicht auf 2,64 Prozent zu.