Der Krieg in der Ukraine steht erneut im Fokus, da immer mehr ukrainische Soldaten in den ersten zehn Monaten dieses Jahres desertierten als in den beiden vorherigen Kriegsjahren zusammen. Dies stellt das Land vor Herausforderungen, da Russland zunehmend Geländegewinne im Osten der Ukraine verzeichnet.
Ein besonders markanter Vorfall ereignete sich Ende Oktober, als Hunderte Fußsoldaten der ukrainischen 123. Brigade ihre Stellungen in der östlichen Stadt Wuhledar verließen. Zurück in ihrer Heimatregion Mykolajiw äußerten einige von ihnen öffentlich ihren Unmut und forderten zusätzliche Waffen und Schulungen. Ein Offizier der Brigade, der anonym bleiben wollte, beschwerte sich darüber, dass zahlreiche Zusagen über militärische Unterstützung nicht eingehalten wurden und seine Einheit mit nur minimaler Ausrüstung entsandt wurde.
Zwischen Januar und Oktober dieses Jahres wurden 60.000 Verfahren gegen desertierende Soldaten eröffnet, doppelt so viele wie in den beiden Vorjahren zusammen. Diese Zunahme an Desertionen verschärft eine ohnehin besorgniserregende Lage für die Ukraine, die durch eine unzureichende Rotation ihrer Truppen und dem Fehlen von Ruhephasen für die kämpfenden Einheiten geprägt ist. Dies führt nicht nur zu hohen Verlusten, sondern schreckt auch potenzielle Rekruten ab.
Während Russland seine Angriffe intensiviert, bemüht sich die Ukraine, zusätzliche Soldaten zu rekrutieren und neue Ansätze für die Einberufung zu entwickeln. Verteidigungsminister Rustem Umerov kündigte an, auf freiwillige Rekrutierung umzustellen. Zudem plant die ukrainische Regierung, die Wehrpflicht altersmäßig auszuweiten, um den Mangel an Truppen zu beheben.
Allerdings erschweren Korruptionsvorwürfe gegen Einberufungsbeamte die Bemühungen, die Bevölkerung ins Militär zu integrieren. Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die Spannungen zwischen der zivilen und militärischen Gemeinschaft in der Ukraine. Während einige die Bemühungen der Armee zu schätzen wissen, fühlen sich andere von der Last des Krieges entfernt.