Im zweiten Quartal erlebte die kanadische Wirtschaft ein unerwartet kräftiges Wachstum, das von staatlichen Ausgaben, erhöhten Investitionen der Unternehmen und einem gestiegenen Konsum im Dienstleistungssektor angetrieben wurde. Laut den am Freitag veröffentlichten Daten von Statistics Canada stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf Jahresbasis um 2,1 Prozent, obwohl es auf Pro-Kopf-Basis das fünfte Quartal in Folge weiter schrumpfte. Diese BIP-Zahl ist die letzte wichtige Datenveröffentlichung vor der anstehenden geldpolitischen Entscheidung der Bank of Canada (BoC) in der nächsten Woche. Es wird weithin erwartet, dass die Zentralbank ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge senken wird. Die von Reuters befragten Analysten hatten für das zweite Quartal ein Wachstum von 1,6 Prozent prognostiziert und einen Anstieg von 0,1 Prozent für den Monat Juni vorhergesagt. Tatsächlich blieb das BIP im Juni jedoch unverändert, und die Schätzungen für Juli deuten auf ein weiteres Monat des stagnierenden Wachstums hin. Die Wirtschaftsleistung für das erste Quartal wurde auf 1,8 Prozent nach oben revidiert, nachdem sie zuvor mit 1,7 Prozent beziffert worden war. Viele ökonomische Indikatoren zeigen, dass die Wirtschaft durch die hohen Zinsen an Schwung verliert, was Spekulationen über eine Zinssenkung befeuert. Steigende Arbeitslosigkeit und eine bevorstehende Welle von Hypothekenverlängerungen im nächsten Jahr erhöhen den Druck auf die Zentralbank, ihren Zinssatz zu senken. BoC-Gouverneur Tiff Macklem hatte in seiner geldpolitischen Erklärung im Juli angedeutet, dass die Bank ihren Fokus möglicherweise mehr auf das Ankurbeln der Wirtschaft als auf die Eindämmung der Inflation legen könnte. Wirtschaftsexperten sehen dies als eine deutliche Änderung der Kommunikation, die Besorgnis über die schwächelnde Wirtschaft zeigt. Die Bank of Canada hatte für das zweite Quartal ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert und erwartet für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 1,2 Prozent. Seit Juni hat die Zentralbank ihren Leitzins zweimal gesenkt, um ihn auf 4,5 Prozent zu bringen. Die Finanzmärkte rechnen mit einer weiteren Senkung um 25 Basispunkte am 4. September, gefolgt von zwei weiteren Reduzierungen im Oktober und Dezember. Das Quartalswachstum wurde primär durch einen Anstieg der Staatsausgaben um 1,5 Prozent, bedingt durch höhere Löhne, sowie durch eine Steigerung der Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen um 6,5 Prozent getrieben. Allerdings stagnierten die wirtschaftlichen Aktivitäten im Juni, wiederum befeuert durch die größte Kontraktion der güterproduzierenden Branchen seit Dezember 2023, so die Statistikbehörde.
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Kanadas Wirtschaft wächst überraschend stark: Vom Investitionsboom zum Zinsschnitt?