Pat Gelsinger hat offenbart, dass Intel kurz vor dem Zusammenbruch stand, bevor er die Führung übernahm. Der einstige Pionier der Halbleiterbranche war bereit, seine Fabriken zu Schleuderpreisen zu verkaufen und die Innovationspipeline zu kappen. Seit Gelsingers Ernennung zum CEO vor drei Jahren hat Intel zwar diese düstere Zukunft abgewendet, jedoch bleiben die Herausforderungen immens. Am Donnerstag verkündete Gelsinger drastische Maßnahmen: Die Streichung von 15.000 Arbeitsplätzen – fast ein Sechstel der gesamten Belegschaft – und die Aussetzung der Dividende. Gleichzeitig wurden die Investitionsprognosen drastisch gesenkt und ein Verlust von 1,6 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Intel, einst an der Spitze der Chip-Design-Entwicklung, verliert an Boden in wichtigen Märkten wie Servern für moderne Rechenzentren, während das traditionelle PC-Geschäft zurückgeht. Dies geschieht trotz der großzügigen Subventionen der Biden-Regierung im Rahmen des Chips Act, von dem Intel am meisten profitiert. Am Freitag erlebten Intel-Aktien den größten Einbruch ihrer Geschichte, mit einem Verlust von 28 Prozent und einem Rückgang des Marktwertes auf unter 100 Milliarden Dollar – zum ersten Mal seit 15 Jahren. Der Börsenwert des Unternehmens hat sich seit Anfang 2021 mehr als halbiert. Im Vergleich zu Nvidia und AMD, die Intel hinsichtlich der Marktbewertung überholt haben, wirkt diese Entwicklung desaströs. Nvidia, einst gleichauf mit Intel, ist mittlerweile 30-mal mehr wert. Auch Arm konnte sich an Intel vorbeiarbeiten. Gelsinger hat die Schuld teils auf seine Vorgänger abgewälzt, was angesichts der verpassten Gelegenheiten nur teilweise gerechtfertigt ist. Intel, das 1971 den ersten kommerziellen Mikrochip einführte und in den 1990er Jahren den PC populär machte, scheiterte an zahlreichen Industrie-Trends. Die Chance, Chips für das erste iPhone von Steve Jobs zu liefern, wurde verpasst, was Arm übernahm. Selbst als Intel an der Entwicklung einer neuen Chip-Fertigungstechnologie beteiligt war, entschied man sich aus Kostengründen gegen die Implementierung – ein Schritt, der sich als fatal erwies. Mittlerweile hat der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC Intel weit hinter sich gelassen. Die derzeitige Situation bei Intel stellt eine gewaltige Herausforderung dar. Gelsinger hat sich bemüht, durch Investitionen in Spitzentechnologien das Ruder herumzureißen. Fragen richten sich jedoch auch an die Biden-Administration, die Intel als Hauptakteur ihrer Pläne zur Wiederherstellung der US-amerikanischen Halbleiterindustrie positioniert hat. Insgesamt hat Intel seit März knapp 20 Milliarden Dollar an Zuschüssen und Krediten erhalten, um Fabriken in Ohio, Arizona und New Mexico zu finanzieren. Dennoch bleibt fraglich, ob Biden auf das richtige Pferd gesetzt hat. Der dramatische Verfall der Aktienkurse deutet auf Zweifel der Investoren hin, ob Intel langfristig eine Schlüsselrolle im Halbleitersektor spielen kann, auch mit umfangreichen Subventionen. Die geplanten Stellenkürzungen werden in Washington nicht gut ankommen, insbesondere da die gewährten Subventionen auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen gedacht waren. Gelsinger zeigt sich zwar zuversichtlich, dass Intel weiterhin für Förderungen infrage kommt, doch bleibt unklar, was der US-Steuerzahler am Ende dafür erhält. Während Intel im PC-Markt noch die Nase vorn hat, holt Arm auch dort auf. Im schnell wachsenden Bereich der Rechenzentren, die die KI-Revolution vorantreiben, verliert Intel weiter an Boden. Die Konkurrenz in der Chipfertigung ist stark, und die Kooperation mit anderen Unternehmen birgt Herausforderungen. Die Biden-Administration setzt zwar auch auf Subventionen für TSMC und Samsung, aber das größte Wagnis, Intel, wird zunehmend unsicherer.
Wirtschaft
Intel in der Krise: Gelsinger kämpft um den Konzern