02. Juli, 2026

Wirtschaft

Inflationsanstieg in China: Deflationsgefahr trotz Teuerungsschub

Inflationsanstieg in China: Deflationsgefahr trotz Teuerungsschub

Die Inflation in China hat im August erstmals seit Monaten wieder zugelegt und die höchste Jahresrate seit Februar erreicht. Wesentlichen Anteil daran haben die gestiegenen Preise für Lebensmittel, die infolge ungünstiger Witterung deutlich zulegten. Gleichzeitig verzeichnete das chinesische Statistikamt einen überraschend starken Rückgang der Erzeugerpreise, was Experten zunehmend vor Deflationsgefahren in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt warnen lässt.

Die Verbraucherpreise kletterten im Jahresvergleich um 0,6 Prozent, teilte das statistische Amt in Peking am Montag mit. Damit wurde die stärkste Teuerungsrate seit Februar registriert, nachdem die Inflation im Juli noch bei 0,5 Prozent lag. Analysten hatten für den August einen Anstieg von 0,7 Prozent erwartet. Besonders stark stiegen die Preise für Nahrungsmittel mit einem Plus von 2,8 Prozent im Jahresvergleich, während die Kosten für Transport und Kommunikation deutlich zurückgingen.

Die Inflation in China bleibt insgesamt gering und lag in den letzten Monaten mehrfach nahe der Nulllinie. Trotz des jüngsten Anstiegs sehen Experten weiterhin die Gefahr einer Deflation, also eines generellen Rückgangs der Verbraucherpreise. Zwar könnten sinkende Preise auf den ersten Blick vorteilhaft für Konsumenten erscheinen, langfristig jedoch könnten sie zu geringeren Unternehmensgewinnen, sinkenden Löhnen und gefährdeten Arbeitsplätzen führen. Zudem neigen Konsumenten dazu, Anschaffungen aufzuschieben, wenn sie mit weiter fallenden Preisen rechnen.

Parallel dazu meldete das Statistikamt auch einen unerwartet starken Rückgang der Erzeugerpreise. Diese fielen im August im Jahresvergleich um 1,8 Prozent, nach einem Rückgang von 0,8 Prozent im Vormonat. Die Erzeugerpreise, die Preise, die Hersteller für ihre Waren verlangen, können entscheidend auf die allgemeine Preisentwicklung wirken und die deflationären Tendenzen verstärken.

Michelle Lam, Analystin bei der französischen Bank Societe Generale, sieht eine zunehmende Verfestigung des deflationären Drucks in China. „Dies könnte durchaus eine Abwärtsspirale zwischen Preisen und Löhnen befeuern, die radikalere politische Maßnahmen erfordert“, so die Expertin.