04. Juli, 2026

Wirtschaft

Hohe Zinsen beflügeln europäische Banken: Eine Analyse von BearingPoint

Hohe Zinsen beflügeln europäische Banken: Eine Analyse von BearingPoint

Eine neue Studie von BearingPoint zeigt, dass die gestiegenen Zinsen die Rentabilität der europäischen Banken deutlich gesteigert haben. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Aufwendungen an den Erträgen bei rund 55,1 Prozent – ein Niveau, das zuletzt 2013 erreicht wurde. Gegenüber 2022 verbesserte sich das Verhältnis von Kosten und Erträgen um fast 5 Prozentpunkte. Auch deutsche Banken verzeichneten ähnliche Fortschritte, konnten die hohen Leitzinsen jedoch noch nicht vollständig in höheren Gewinnen spiegeln.

Deutsche Institute gaben im Jahr 2023 im Durchschnitt 60,1 Prozent ihrer Einnahmen für Betriebskosten aus. Dies stellt eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu 65,2 Prozent im Jahr 2022 und 78,0 Prozent im Jahr 2019 dar. Trotz gestiegener Zinsüberschüsse wuchsen in Deutschland auch die Betriebskosten stärker an als bei europäischen Wettbewerbern.

Ein weiteres Hindernis für deutsche und französische Banken besteht darin, dass sie ihre Kreditkunden nicht so stark wie andere Länder bei den Zinsen belasteten konnten. Dies liegt an der in beiden Ländern üblichen längerfristigen Zinsbindung. Die Studienautoren erwarten daher eine weitere Verbesserung des Kosten-Ertrags-Verhältnisses bei deutschen Banken erst mittelfristig.

Nordische Banken wirtschaften besonders effizient und erzielten 2023 eine Quote von 39,9 Prozent, gefolgt von Banken aus Spanien und Portugal mit 42,5 Prozent. „Das Jahr 2023 markiert eine Zeitenwende für den europäischen Bankenmarkt“, resümiert BearingPoint-Experte Robert Bosch. Nach wirtschaftlicher Unsicherheit und der Nullzinspolitik hätten die Banken ihre Lage deutlich stabilisiert. Dennoch müssen die Banken mehr Geld für die Kapitalbeschaffung aufwenden, was das Liquiditätsmanagement erschwert.

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass besonders effiziente Banken stark in Computersysteme investieren: Hier liegen die IT-Ausgaben doppelt so hoch wie bei anderen Instituten. Eine Sonderrolle spielt die Schweiz, wo die Übernahme der Krisenbank Credit Suisse durch UBS die Ertragslage stark beeinflusste und die Kostenrate auf 85 Prozent stiegen ließ.