10. Juli, 2026

Wirtschaft

Historischer Tiefstand bei Baulandverkäufen: Ein Alarmsignal für den Wohnungsmarkt

Historischer Tiefstand bei Baulandverkäufen: Ein Alarmsignal für den Wohnungsmarkt

Immer weniger Menschen in Deutschland entscheiden sich angesichts gestiegener Zinsen und hoher Baukosten zum Kauf von Bauland. Diese Entwicklung führte im Jahr 2023 zu einem historischen Tiefstand sowohl bei der Anzahl der Transaktionen als auch beim Flächenumsatz von baureifem Wohnbauland, wie eine Analyse des Hamburger Gewos-Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung zeigt. Besonders besorgniserregend ist dies angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels in städtischen Gebieten.

Im Vorjahr wurden deutschlandweit rund 46.700 Kauffälle von baureifem Wohnbauland registriert, was einen Rückgang von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Der Flächenumsatz fiel dabei um fast 40 Prozent auf rund 4.400 Hektar, während der Geldumsatz um mehr als 45 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro einbrach. Laut Sebastian Wunsch, Bereichsleiter Immobilienwirtschaftliche Analysen bei Gewos, markieren diese Zahlen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1995 den historischen Tiefpunkt. Wunsch warnt eindringlich: „Die heute nicht verkauften Flächen sind die nicht erteilten Genehmigungen von morgen und die nicht gebauten Wohnungen von übermorgen.“

Das Gewos-Institut erfasst diese Daten jährlich im Rahmen der Immobilienmarktanalyse IMA für alle kreisfreien Städte und Landkreise. Diese umfassende Analyse wird seit 1982 durchgeführt und zeigt derzeit deutliche Rückgänge im Immobilienmarkt, insbesondere verglichen mit dem Höhepunkt des Immobilienbooms im Jahr 2021. Seitdem sind die Verkäufe von Wohnbauland um 54 Prozent eingebrochen, während der Flächen- und Geldumsatz um rund 58 Prozent beziehungsweise etwa 60 Prozent zurückgingen.

Die aktuellen Zahlen sind ein deutlicher Indikator für eine nachlassende Neubautätigkeit in Deutschland. Der Rückgang der Baugenehmigungen werde in den kommenden Jahren zu sinkenden Fertigstellungszahlen führen, während die niedrigen Verkaufszahlen von baureifem Wohnbauland auf eine längerfristig stagnierende Neubautätigkeit hinweisen. Auch bei werdendem Bauland, den Flächen, die perspektivisch für den Wohnungsbau genutzt werden können, sind deutlich sinkende Zahlen zu verzeichnen.

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden 2023 insgesamt 294.400 Wohnungen fertiggestellt, geringfügig weniger als 2022 (295.300), jedoch mehr als von Ökonomen und der Immobilienbranche zunächst befürchtet. Die schwache Baukonjunktur und der Rückgang der Baugenehmigungen dürften sich dennoch zeitverzögert auf die Fertigstellungszahlen auswirken.

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag ursprünglich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr anvisiert. Jedoch beeinflussen neben komplizierten Genehmigungsverfahren vor allem die rasant gestiegenen Baukosten und Zinsen die Bautätigkeit gravierend.