04. Juli, 2026

Wirtschaft

Großbritanniens Bahn vor Verstaatlichungswelle: Neuanfang im Schienennetz

Großbritanniens Bahn vor Verstaatlichungswelle: Neuanfang im Schienennetz

Die britische Regierung plant, die Eisenbahn durch staatliche Eingriffe wieder zu reformieren. Heute wird das Parlament in London in dritter Lesung über ein Gesetzesvorhaben von Verkehrsministerin Louise Haigh abstimmen, das eine schrittweise Beendigung der bestehenden privaten Bahnverträge vorsieht. Sobald diese Verträge auslaufen oder Kündigungsklauseln aktiviert werden, sollen die betreffenden Strecken unter staatliche Kontrolle zurückkehren.

Aktuell existieren im Vereinigten Königreich 28 unterschiedliche Bahnunternehmen, die jeweils bestimmte Regionen bedienen. In der Vergangenheit gab es wiederholt Kritik an betrieblichen Mängeln wie häufigen Zugausfällen, Verspätungen und den hohen Ticketpreisen. Streiks haben zudem regelmäßig das öffentliche Leben beeinträchtigt, wobei Gewerkschaften den Bahnunternehmen vorwerfen, ihre Mitarbeiter auszubeuten und die Gewinne lediglich an Manager und Aktionäre weiterzuleiten.

Als zweiten Schritt plant Ministerin Haigh, einen Staatskonzern namens Great British Railways zu gründen. Dieser soll nicht nur den Betrieb übernehmen, sondern auch die Aufgaben des bestehenden, nicht gewinnorientierten Unternehmens Network Rail verwalten, das aktuell für die Schieneninfrastruktur zuständig ist.

Die Verstaatlichung des britischen Bahnsystems ist kein Novum. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die vier großen Anbieter in den staatlichen Betrieb British Railways integriert. Unter der konservativen Regierung von Margaret Thatcher in den 1980er Jahren erfolgte dann die Privatisierung und Aufspaltung in verschiedene Unternehmen.

In Deutschland präsentiert sich die Situation im Schienenverkehr beinahe gegensätzlich. Der Marktführer Deutsche Bahn ist ein vollständig in Staatsbesitz befindlicher Konzern, der als Aktiengesellschaft organisiert ist. Neben dem Bahnbetrieb managt die Deutsche Bahn auch einen Großteil des maroden deutschen Streckennetzes. Angesichts zunehmender Verspätungen und Zugausfälle gibt es jedoch auch hier immer wieder Forderungen nach einer Aufspaltung des Konzerns, um Netz und Betrieb voneinander zu trennen.