05. Juli, 2026

Wirtschaft

Führungschaos bei Thyssenkrupp Steel: Altbewährte Köpfe treten zurück, Aktienkurse schwanken

Führungschaos bei Thyssenkrupp Steel: Altbewährte Köpfe treten zurück, Aktienkurse schwanken

Die Neuaufstellung der Stahlsparte des Industriekonzerns Thyssenkrupp bleibt weiter in der Schwebe. Nach einer Sitzung des Kontrollgremiums traten drei Stahlvorstände und vier Aufsichtsratsmitglieder zurück. Darunter befinden sich auch Chefaufseher Sigmar Gabriel und Stahlchef Bernhard Osburg. Am Donnerstagabend äußerte sich daraufhin Thyssenkrupp-Aufsichtsratsvorsitzender Siegfried Russwurm kritisch zum Management der Stahltochter. Ebenso zeigte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck besorgt über die Krise bei Deutschlands größtem Stahlerzeuger. An der Börse reagierten die Anleger zunächst uneinheitlich, bevor sich die Aktie erholte.

Zum Handelsstart am Freitag fiel die Thyssenkrupp-Aktie um 1,5 Prozent, verzeichnete jedoch rasch einen leichten Anstieg. Analysten erwarten, dass Russwurm gemeinsam mit Thyssenkrupp-Vorstandschef Miguel López über die Zukunft der Stahlsparte entscheiden wird. Der defizitäre Bereich soll restrukturiert und eigenständig gemacht werden, was seit Wochen zu heftigen Debatten über die finanzielle Ausstattung durch den Mutterkonzern führte.

Analyst Christian Obst von der Baader Bank sieht eine höhere Wahrscheinlichkeit für größere Veränderungen und betont, dass eine Entkonsolidierung von Steel Europe und Marine Systems zu klareren Verantwortlichkeiten führen könnte. Allerdings warnt er vor dem schwindenden Vertrauen der Mitarbeiter in das Management, was sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als problematisch erweisen könnte. Ein weiteres Kurstief sei ebenfalls denkbar, da der freie Mittelfluss des Unternehmens negativ ist und die Aktie seit Jahresbeginn fast halbiert wurde.

Der Rücktritt von Stahlchef Bernhard Osburg sowie der Produktionsvorständin und des Personalvorstands wurde am Donnerstag bekannt. Im Zuge dessen legten auch vier Aufsichtsratsmitglieder ihre Mandate nieder, darunter der bisherige Vorsitzende Sigmar Gabriel. Gabriel warf Thyssenkrupp-Vorstandschef Miguel López eine Diffamierungs-Kampagne gegen das Stahlvorstandsteam vor und kritisierte ebenfalls Russwurm für seine angebliche Untätigkeit.

Bundeswirtschaftsminister Habeck betonte gegenüber der "Rheinischen Post", dass sich die Situation bei Thyssenkrupp zugespitzt habe und forderte, den ökologischen Umbau der Stahlsparte voranzutreiben, der mit etwa zwei Milliarden Euro von Bund und Land subventioniert wird.

Lange bestehende Konjunkturschwächen und Billigimporte belasten die Stahlsparte, die daher Kapazitäten und Personal abbauen muss. Welche Auswirkungen die jüngsten Entwicklungen im Vorstand und Aufsichtsrat auf die Beschäftigten haben werden, bleibt unklar. Ein Finanzierungsplan für die kommenden zwei Jahre konnte aufgrund der Rücktritte nicht verabschiedet werden.

In seiner Erklärung betonte Russwurm, dass das Management von Thyssenkrupp Steel wiederholt seine eigenen Pläne verfehlt habe. Dies betreffe auch das laufende Geschäftsjahr, in dem vereinbarte Restrukturierungsprogramme nicht die erhofften Effekte erzielten. Die drei zurückgetretenen Vorstände traten im gegenseitigen Einvernehmen zurück.

Nach den Rücktritten verkündete der Mutterkonzern, dass die verbleibenden Vorstände Dennis Grimm (Technik) und Philipp Conze (Finanzen) die Geschäfte fortführen und dass die Nachbesetzung der vakanten Positionen zeitnah in einem strukturierten Prozess erfolgen soll. Grimm übernimmt interimistisch die Funktion des Vorstandssprechers. Über die Nachfolge von Sigmar Gabriel und die Besetzung der Aufsichtsratssitze soll kurzfristig entschieden werden.

Mit 27.000 Mitarbeitern, darunter 13.000 in Duisburg, ist die Thyssenkrupp-Stahlsparte Deutschlands größter Stahlerzeuger. Der Betriebsrat befürchtet im Zuge der Restrukturierung massive Arbeitsplatzverluste.