Die Federal Reserve hat eine neue Version ihres Vorschlags zur Erhöhung der Kapitalanforderungen für Banken enthüllt, nachdem sie auf starken Widerstand sowohl von Politikern als auch aus der Bankenbranche gestoßen war. Das neue Konzept sieht eine Erhöhung der Kapitalreserven um nur 9% für Großbanken wie JPMorgan Chase und Bank of America vor, was einer Halbierung des ursprünglich geplanten Anstiegs von rund 19% entspricht.
Banken mit Vermögenswerten zwischen 100 Milliarden und 250 Milliarden Dollar, die ursprünglich den strengeren Anforderungen der Großbanken unterlagen, werden von diesen Vorgaben weitgehend ausgenommen. Eine bedeutende Änderung ist hier nur die Berücksichtigung unrealisierter Gewinne und Verluste aus ihren Wertpapierportfolios. Diese Anpassung erfolgt nach den regionalen Bankenpleiten im letzten Jahr, die durch die Silicon Valley Bank ausgelöst wurden.
Fed Vizevorsitzender für Aufsicht, Michael Barr, betonte auf einer Veranstaltung in Washington, dass Kapital im Vergleich zu Schulden eine teurere Finanzierungsquelle sei. Höhere Kapitalanforderungen könnten die Finanzierungskosten für Banken erhöhen, die diese Kosten wiederum an Haushalte und Unternehmen weitergeben könnten.
Die Überarbeitung der Vorschlag, bekannt als Basel III Endspiel, folgt auf monatelange Spannungen und Diskussionen innerhalb der Federal Reserve. Bereits im März hatte Fed Vorsitzender Jerome Powell auf breite materielle Änderungen hingewiesen. Diese Überarbeitungen spiegeln das Feedback der Öffentlichkeit wider und sollen Risiken besser berücksichtigen.
Fed Gouverneure wie Michelle Bowman und Chris Waller hatten die ursprünglichen Pläne aufgrund ihrer potenziellen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen kritisiert. Barr erklärte, dass die Änderungen unter enger Zusammenarbeit mit der FDIC und dem Office of the Comptroller of the Currency entwickelt wurden und voraussichtlich breite Unterstützung finden werden.
Die neue Version des Plans geht nun in eine 60-tägige Kommentierungsphase. Nach Abschluss dieser Phase und einer einjährigen Vorbereitung beginnt die schrittweise Umsetzung der Regelungen.
Es gab Bedenken, dass die höheren Kapitalanforderungen die Kosten für verschiedene Bankaktivitäten wie Wohnhypotheken und kleine Unternehmensfinanzierungen erhöhen könnten. JPMorgan CEO Jamie Dimon warnte sogar vor möglichen inflationären Effekten.
Diese Änderungen sind Teil eines Bestrebens der Bankregulatoren, die US-Version des internationalen Abkommens Basel III umzusetzen. In Europa und Großbritannien wurden bereits ähnlich moderate Kapitalerhöhungen umgesetzt.
Die neuen Regeln könnten erhebliche Auswirkungen auf die Gewinne der Banken und ihre Kapitalausschüttungen an Aktionäre haben. Analysten erwarten, dass Banken ihre Kapitalüberschüsse in den kommenden Gewinnanrufen im Oktober kommentieren werden.