09. Juli, 2026

Wirtschaft

Fachkräftemangel fordert neue Willkommenskultur

Fachkräftemangel fordert neue Willkommenskultur

Angesichts des akuten Fachkräftemangels in Deutschland plädieren Spitzenverbände der Wirtschaft vehement für eine verbesserte Willkommenskultur. Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, betont die Notwendigkeit, ausländischen Fachkräften deutlich zu signalisieren, dass sie hierzulande willkommen sind. Die Maßnahmen sollten bei der Visa-Erteilung beginnen und bis zur Bereitstellung von Wohnraum und Kinderbetreuung reichen, so Adrian. Er hebt hervor: „Wir haben in vielen Bereichen Defizite.“

Eine Ende Mai veröffentlichte Konjunkturumfrage der DIHK bestätigt diese Problematik, da über die Hälfte der Unternehmen den Fachkräftemangel als erhebliches Geschäftsrisiko einstufen. Neben dem Personalmangel werden auch die hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie die schwache Inlandsnachfrage als Risiken angeführt.

Adrian sieht das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz zwar als Schritt in die richtige Richtung, bemängelt jedoch dessen Komplexität. So sollen Fachkräfte mit einer Chancenkarte für ein Jahr die Möglichkeit erhalten, in Deutschland Arbeit zu suchen, jedoch seien die Bedingungen hierfür zu kompliziert gestaltet. „Ich glaube nicht, dass man mit dieser Variante viele Fachkräfte zu uns locken kann“, äußert sich Adrian skeptisch.

Auch der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Siegfried Russwurm, fordert Nachbesserungen. Er betont die Bedeutung einer durchgängigen Willkommenskultur, die von den Botschaften und Konsulaten bis zu den kommunalen Ausländerbehörden reichen müsse. „Wir müssen so denken und handeln wie das berühmte amerikanische Plakat „We want you!“,“ sagt Russwurm eindringlich.

Praktische Fragen sollten ebenfalls berücksichtigt werden, so Russwurm weiter. Beispielhaft führt er an, ob es möglich sei, in einem Landratsamt ein Auto anzumelden, wenn man kein Deutsch spreche. Solche Banalitäten könnten ausländischen Fachkräften enorm helfen, sich in Deutschland zu integrieren.