06. Juli, 2026

Wirtschaft

Experten kritisieren Staatshilfe für Meyer Werft: „Keine essenzielle Bedeutung“

Experten kritisieren Staatshilfe für Meyer Werft: „Keine essenzielle Bedeutung“

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Marcel Fratzscher sieht die geplante staatliche Rettung der Meyer Werft kritisch. Fratzscher, der als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin tätig ist, stellt infrage, warum gerade dieses Unternehmen für Deutschland von essenzieller Bedeutung sein soll. Er äußerte gegenüber dem NDR, dass es keinen nachvollziehbaren Grund gebe, ausgerechnet dieses Unternehmen zu retten.

Fratzscher betonte weiterhin, dass der Staat nicht die Kapazitäten habe, jedes Unternehmen in Deutschland zu unterstützen, das in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Er forderte ein Umdenken: „Wir müssen realisieren, dass wir nicht alle Produkte in Deutschland produzieren können.“

In Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit der Meyer Werft zeigte sich Fratzscher besorgt. Dass sich trotz großzügiger staatlicher Garantien kein privater Investor finden lässt, ist für ihn ein ernstes Alarmsignal. Dies deute darauf hin, dass das Unternehmen strukturell nicht nachhaltig aufgestellt sei.

Dennoch haben Bundeskanzler Olaf Scholz und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil die Bereitschaft signalisiert, der traditionsreichen Werft staatliche Unterstützung zukommen zu lassen. Meyer Werft kämpft derzeit mit einer Finanzierungslücke von fast 2,8 Milliarden Euro, die bis Mitte September geschlossen werden muss.

Berichten zufolge könnten der Bund und das Land Niedersachsen jeweils rund 900 Millionen Euro bürgen und vorübergehend 80 bis 90 Prozent der Werft übernehmen. Zusätzlich würden weitere jeweils 200 Millionen Euro von Bund und Land benötigt. Allerdings bleibt der endgültige Rettungsbeschluss noch aus.