30. Juni, 2026

Wirtschaft

EU-Autobranche warnt vor Jobverlusten aufgrund strengerer Klimavorgaben

EU-Autobranche warnt vor Jobverlusten aufgrund strengerer Klimavorgaben

Ein internes Dokument aus der europäischen Automobilbranche schlägt Alarm: Millionen Arbeitsplätze könnten verloren gehen, falls die schärferen Klimavorgaben der EU umgesetzt werden. Der Grund ist klar – die Autoindustrie sieht sich außerstande, die bevorstehenden EU-Klimavorgaben einzuhalten, was zu milliardenschweren Strafzahlungen führen könnte.

Die sogenannten Flottengrenzwerte setzen den maximal zulässigen CO2-Ausstoß pro Kilometer für Neuwagen fest. Der aktuelle Grenzwert liegt bei 115,1 Gramm CO2 pro Kilometer und soll bis 2030 auf 49,5 Gramm sinken. Überschreitungen werden mit hohen Strafen geahndet. Laut dem Papier sei es nahezu unmöglich, diese Anforderungen mit den vorhandenen Technologien zu erfüllen. Effiziente Verbrennungsmotoren stoßen im Durchschnitt rund 120 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Dies bedeutet, dass auf vier Verbrenner mindestens ein Elektroauto zugelassen werden müsste – ein Ziel, das mangels ausreichender Elektrofahrzeuge derzeit unerreichbar scheint.

Der europäische Automobilverband Acea bestätigte die Existenz des Dokuments, betonte jedoch, dass es sich nicht um ein offizielles Papier des Verbandes handelt. Demnach könnten der Branche insgesamt Strafzahlungen von bis zu 16 Milliarden Euro drohen – 13 Milliarden für Pkw und drei Milliarden für leichte Nutzfahrzeuge. Diese Situation könnte zur Schließung von bis zu acht Fabriken und dem möglichen Verlust von Millionen Arbeitsplätzen führen.

Das Papier schlägt vor, die Einführung der strengeren Vorgaben um zwei Jahre zu verschieben, so wie es während der Corona-Pandemie möglich war. Unterstützt wird dieser Vorschlag von hochrangigen Vertretern der Automobilindustrie wie Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratschef von VW, und dem deutschen Auto-Lobbyverband VDA. Sie plädieren für eine vorzeitige Überprüfung der Machbarkeit der EU-Vorgaben.

Umweltschutzorganisationen wie Transport & Environment und Greenpeace reagieren empört. Sie kritisieren, dass die Autohersteller genügend Zeit und Mittel hatten, um sich auf die kommenden Grenzwerte vorzubereiten. „Das Jammern über angeblich zu strenge Grenzwerte kann die fehlende langfristige Strategie nicht verdecken“, so Marion Tiemann von Greenpeace. Die Automobilindustrie, einer der größten Arbeitgeber in Europa mit rund drei Millionen Beschäftigten direkt in der Herstellung und insgesamt etwa 13 Millionen Menschen in allen Bereichen, stehe vor einer bedeutenden Herausforderung.