Ein bedeutender Schritt für die globale Zucker- und Ethanolwirtschaft: Indien, der zweitgrößte Zuckerproduzent weltweit, hat die Beschränkungen für Zuckerfabriken und Destillerien aufgehoben, um Zuckerrohrsaft zur Herstellung von Ethanol zu verwenden. Diese neue Regelung könnte jedoch die Exportbeschränkungen des Landes verlängern und damit das globale Angebot weiter verknappen.
Im neuen Erntejahr 2024-25, das im November beginnt, dürfen Ethanolproduzenten Zuckerrohrsaft sowie B-Schwer- und C-Schwer-Melasse nutzen, teilte das indische Ernährungsministerium mit. Die Regierung wird die Maßnahmen regelmäßig überprüfen, um eine ausreichende Zuckerversorgung für den Inlandsverbrauch sicherzustellen.
Im Wirtschaftsjahr 2023-24 hatte Indien die Verwendung von Zuckerrohrsaft und -sirup zur Ethanolproduktion untersagt, um nach dürrebedingten Ernteausfällen die Zuckerreserven aufzustocken. Auch Exportbeschränkungen wurden verhängt und im Oktober verlängert, um vor den bevorstehenden nationalen Wahlen die lokalen Zuckerpreise stabil zu halten.
Die jüngsten Brände in Brasilien, dem weltweit größten Zuckerproduzenten, haben die Referenzzuckerpreise auf ein neues Hoch getrieben, da einige brasilianische Zuckerfabriken ihre Produktionserwartungen senkten.
Die Lockerung der Ethanolbeschränkungen in Indien fördert das Regierungsziel von Premierminister Narendra Modi, den Anteil von Ethanol in Benzinmischungen bis November 2025 auf 20 Prozent zu steigern. Die Nachrichten ließen die Aktienkurse der indischen Zuckerfabrikanten stark ansteigen.
So kletterte das Papier von Triveni Engineering um mehr als 10 Prozent, während Shree Renuka Sugars und Bajaj Hindusthan Sugar fast 10 Prozent zulegten. Die Wertpapiere von Dwarikesh Sugar Industries und Balrampur Chini Mills verzeichneten Zuwächse von bis zu 8 Prozent. Ein von Bloomberg ermittelter Index der Top 15 Zuckerproduzenten erreichte einen neuen Höchststand.
Zusätzlich hat die Regierung Getreide-basierte Ethanolhersteller autorisiert, über elektronische Auktionen der Food Corporation of India Reis aus staatlichen Reserven zu erwerben. In einem separaten Beschluss ließ das Ministerium verlauten, dass bis zu 2.3 Millionen Tonnen Reis in den Monaten August bis Oktober verkauft werden sollen.