Die augenscheinlichen Spuren des Brandes auf der „Fremantle Highway“ sind beseitigt. Im Rotterdamer Hafen präsentiert sich der imposante 200 Meter lange Frachter im neuen Gewand und unter neuem Namen – „Floor“. Doch die sichtbare Transformation trügt, denn zahlreiche Fragen zur Katastrophe bleiben weiterhin ungeklärt.
Vor genau einem Jahr brach in der Nacht zum 26. Juli ein Feuer auf der „Fremantle Highway“ aus, als der Frachter etwa 27 Kilometer nördlich der Insel Ameland im niederländischen Wattenmeer lag. Die Evakuierung des Schiffes endete tragisch: Ein Mann kam ums Leben und 22 Besatzungsmitglieder erlitten Verletzungen.
Über Tage hinweg dümpelte das brennende Schiff mit seinen 1,6 Millionen Litern Schweröl an Bord vor der Küste, und eine potenzielle Ölkatastrophe drohte die Wattenmeerregion heimzusuchen. Erst nach einer Woche gelang es, den Koloss nach Eemshaven und schließlich nach Rotterdam zu schleppen.
Die genaue Ursache des Feuers bleibt bis heute unklar. Obwohl der Kapitän angab, das Feuer sei in einem Elektroauto ausgebrochen, und später von einer Explosion die Rede war, gibt es bislang keine Bestätigung dieser Behauptungen. Nach internationalen Vorschriften ist für die Untersuchung die Flagge des Schiffes – in diesem Fall Panama – zuständig, obwohl es einer japanischen Reederei gehört. Das niederländische Untersuchungs-Institut für Sicherheitsfragen OVV steht in Kontakt mit den panamaischen Behörden, doch schnelle Ergebnisse sind nicht in Sicht.
Die Brandbekämpfung auf Schiffen stellt eine besondere Herausforderung dar, insbesondere bei Autofrachtern mit eng gestellten Fahrzeugen und niedrigen Decken. Bei Bränden von Lithium-Ionen-Akkus in Elektrofahrzeugen gestaltet sich die Löscharbeit noch schwieriger, da sich die Batterien immer wieder entzünden können.
Die Bedrohung einer Umweltkatastrophe konnte letztendlich abgewendet werden, wie Bundesumweltministerin Steffi Lemke betonte. Dennoch zeigte sich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) und andere Verbände sehen in diesem Vorfall und anderen Schiffsunglücken der letzten Jahre ein Alarmsignal. Sie fordern ein besser strukturiertes Havarie-System und stärkere Präventivmaßnahmen zum Schutz des Wattenmeers.
Das Schicksal der 'Fremantle Highway', jetzt „Floor“, bleibt ungewiss. Das Bergungsunternehmen KMS hat das Schiff an einen Käufer in China verkauft, doch die Behörden verweigern die Transportgenehmigung unter Berufung auf die Entsorgung gefährlicher Abfälle. Obwohl alle verbrannten Teile entfernt wurden, müssen weitere Entscheidungen der Sicherheitsbehörden abgewartet werden.
Auch wirtschaftlich war der Brand verheerend: Von den 3800 geladenen Autos wurden rund 2700 zerstört. Zwei niederländische Autohändler, die unbeschädigte Wagen erwarben, dürfen diese nicht weiterverkaufen, da BMW die Qualitätsgarantie verweigert. Ein Gericht in Den Haag bestätigte diese Entscheidung, doch die Händler legten Berufung ein.