01. Juli, 2026

Wirtschaft

Deutschlands Hauptversammlungen: Mehr Offenheit gefordert

Deutschlands Hauptversammlungen: Mehr Offenheit gefordert

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) setzt sich energisch für einen intensiveren Dialog zwischen dem Vorstand und den Aktionären auf Hauptversammlungen ein. Eine aktuelle Studie des DAI gemeinsam mit der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer zeigt, dass der Wunsch nach mehr Offenheit und Dynamik vor allem durch strenge juristische Vorgaben behindert wird. Die Studie wurde kürzlich in Frankfurt vorgestellt.

In Deutschland können bereits geringfügige Fehler oder Unstimmigkeiten bei der Beantwortung von Aktionärsfragen dazu führen, dass ein Hauptversammlungsbeschluss durch Anfechtungsklagen unwirksam wird. Dies zwingt die Unternehmen zu einer äußerst vorsichtigen und formalen Kommunikation. "Um die Diskussionskultur in den Hauptversammlungen zu beleben, empfehlen wir, dass Beschlüsse nur bei wesentlichen Fehlern bei der Auskunftserteilung rückwirkend unwirksam werden", erläutert Sabrina Kulenkamp, Partnerin bei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Henriette Peucker, Geschäftsführende Vorständin des DAI, ergänzte, dass das deutsche Beschlussmängelrecht im internationalen Vergleich sehr strikt ist. "Dies entspricht weder den Interessen der Unternehmen noch denen der Aktionäre." Daher sei eine begrenzte Reform erforderlich.

In der Studie wurden rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Erfahrungen bei Hauptversammlungen in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und den USA verglichen. Zudem führten die Experten Interviews mit Vorständen von Unternehmen durch.

Um die Effizienz von Hauptversammlungen in Deutschland zu steigern, empfehlen die Autoren der Studie, dass Fragen vorab eingereicht werden sollten. Weiterhin sollten Anträge grundsätzlich 14 Tage vor einer Aktionärsversammlung bekannt gemacht werden, sodass andere Aktionäre ausreichend Zeit haben, sich eine Meinung zu bilden.

Vertreter der Aktionäre kritisieren schon seit Längerem, dass es den deutschen Hauptversammlungen an spontanem Austausch mangelt. Insbesondere die rein virtuellen Aktionärstreffen, die seit der Corona-Pandemie weit verbreitet sind, werden scharf kritisiert. Diese Form der Versammlungen beschränke die Rechte der Anteilseigner und beschädige die Aktionärsdemokratie.

Die Hauptversammlung ist neben dem Vorstand und dem Aufsichtsrat das bedeutendste Entscheidungsgremium einer Aktiengesellschaft. Einmal im Jahr haben Aktionäre die Gelegenheit, dem Management persönlich ihre Meinung mitzuteilen. Darüber hinaus stimmen sie auf der Hauptversammlung über wichtige Themen wie die Dividende oder die Wahl zum Aufsichtsrat ab.