Die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen sich bei Möbelkäufen weiterhin zurückhaltend. Infolgedessen erwartet die deutsche Möbelindustrie für das laufende Jahr einen nominalen Umsatzrückgang von 7 bis 9 Prozent. Dies gab Jan Kurth, Geschäftsführer des Branchenverbandes VDM, bekannt. Preisbereinigt dürfte das Minus sogar noch deutlicher ausfallen.
Im ersten Halbjahr verzeichneten die Möbelunternehmen trotz gestiegener Preise mit 8,3 Milliarden Euro fast 10 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Besonders betroffen sind die Bereiche Küchen- und Polstermöbel. Ursache für den Rückgang sieht die Branche im schlechten Konsumklima, das sich laut Konsumklimaindex, erhoben von GfK und NIM, im August weiter verschlechterte.
Hinzu kommen Herausforderungen durch gestiegene Personal- und Energiekosten, wie eine Verbandsumfrage ergab. Zwar haben sich die Rohstoffpreise auf hohem Niveau stabilisiert, dennoch sind Möbel laut Statistischem Bundesamt heute deutlich teurer als vor vier Jahren: Betten kosteten im Juli 2024 knapp 21 Prozent, Polstermöbel gut 16 Prozent mehr. Diese Preisdynamik hat sich zwar abgeschwächt, doch moderate Preiserhöhungen sind laut Jan Kurth nicht ausgeschlossen. Sorgen bereitet zudem der stockende Wohnungsneubau.
Dennoch bleibt Kurth optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass die Branche die Talsohle durchschritten hat“, sagte er und verwies auf das leicht verbesserte Geschäftsklima sowie die steigenden Reallöhne. Konkurrenz durch asiatische Shoppingportale wie Temu oder Shein sieht der Verband nicht als Problem, da diese beim Möbelkauf in Deutschland kaum eine Rolle spielen. Ein Großteil der Möbel wird über den stationären Handel verkauft, wobei etwa die Hälfte der verkauften Produkte aus dem Ausland stammt.
Die Branche kämpft weiterhin mit den Auswirkungen sinkender Umsätze, was viele Unternehmen zur Nutzung von Kurzarbeit veranlasste. Im August beantragten 38 Prozent der befragten Betriebe dieses Instrument. Beispiele für die schwierige Lage sind die Insolvenzen namhafter Unternehmen wie Hülsta, Opti-Wohnwelt und Schröder.
Christoph Lamsfuß vom Handelsforschungsinstitut IFH führt die Krise auf mehrere Faktoren zurück: Nach den pandemiebedingten Investitionen in das eigene Heim, fließen private Ausgaben inzwischen vermehrt in Reisen. Positiv könnten jedoch die gestiegenen Reallöhne auf den Konsum wirken.
Die Zahl der Möbelbetriebe sank zuletzt von 431 auf 417, und die Beschäftigtenzahl reduzierte sich von 75.300 auf 71.841.