Die Deutsche Bank musste im zweiten Quartal einen Verlust hinnehmen, verursacht durch eine milliardenschwere Rückstellung im Zusammenhang mit einem langwierigen Rechtsstreit mit früheren Postbank-Aktionären. Der Konzern verzeichnete einen Verlust von 143 Millionen Euro, nachdem das Unternehmen im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch einen Gewinn von 763 Millionen Euro erwirtschaftet hatte.
Das operative Geschäft verlief jedoch besser als erwartet. Ohne die Rückstellung hätte die Deutsche Bank einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet – ein Anstieg gegenüber den 1,4 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. An der Börse reagierten die Anleger zunächst negativ: Die Aktie sank im frühen Handel um bis zu achteinhalb Prozent, konnte die Verluste bis zum Mittag jedoch auf etwas mehr als sieben Prozent verkleinern.
Finanzvorstand James von Moltke kündigte an, dass in diesem Jahr keine weiteren Aktienrückkäufe geplant sind, was viele Analysten bereits erwartet hatten. Zudem stellte von Moltke eine Erhöhung der Risikovorsorge für Kreditausfälle in Aussicht, bedingt durch eine schleppende Erholung am Gewerbeimmobilienmarkt und einer steigenden Anzahl von Firmenpleiten.
Der langwierige Rechtsstreit um die Übernahme der Postbank könnte teure Folgen haben. Das Oberlandesgericht Köln könnte zugunsten der früheren Postbank-Aktionäre entscheiden, weshalb die Deutsche Bank vorsorglich 1,3 Milliarden Euro zurücklegte. Im Kern geht es darum, ob die 2010 beschlossene Zwangsabfindung der Minderheitsaktionäre angemessen war und inwieweit die Deutsche Bank bereits vor dem offiziellen Übernahmeangebot im Jahr 2010 die Kontrolle über die Postbank hatte.
Trotz der Rückstellung bleibt die Deutsche Bank optimistisch. Die Erträge im zweiten Quartal stiegen um zwei Prozent auf 7,6 Milliarden Euro, besonders das Investmentbanking zeigte sich stark mit einem Anstieg der Erträge um zehn Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Vor Steuern erwirtschaftete die Bank einen Gewinn von 411 Millionen Euro, laut Vorstandschef Christian Sewing das beste Ergebnis für ein zweites Quartal seit 13 Jahren. Die Bank bleibt auf Kurs, ihre Jahresziele zu erreichen, und peilt Erträge von rund 30 Milliarden Euro an.
Die Übernahme der Postbank sollte die Deutsche Bank eigentlich unabhängiger vom volatilen Investmentbanking machen, brachte jedoch viele Herausforderungen mit sich. Vor allem die Umstellung auf die Computersysteme der Deutschen Bank verärgerte zahlreiche Postbank-Kunden und rief die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf den Plan. Der Vorstand der Deutschen Bank bekam infolgedessen weniger Boni für das Geschäftsjahr 2023.