10. Juli, 2026

Wirtschaft

Deutsche Automobilindustrie vor massiven Arbeitsplatzverlusten

Deutsche Automobilindustrie vor massiven Arbeitsplatzverlusten

Eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Horváth unter Führungskräften der deutschen Automobilbranche bringt alarmierende Ergebnisse zu Tage: Zahlreiche Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Über 59 Prozent der befragten Unternehmen planen, die Mitarbeiterzahl in Deutschland in den nächsten fünf Jahren zu reduzieren. Ein beunruhigender Trend, der durch hohen Kostendruck und neue Konkurrenz, insbesondere aus China, weiter verstärkt wird.

In Westeuropa zeigt sich ein ähnliches Bild: 53 Prozent der Firmen planen ebenfalls den Abbau von Arbeitsplätzen. Trotz kräftiger Investitionen in Deutschland und anderen westlichen Ländern entstehen neue Jobs vorwiegend anderswo. Frank Göller, Partner und Automotive-Experte bei Horváth, bestätigt: "Produziert wird zunehmend in den Regionen, wo die Autos am Ende verkauft werden." Die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland, insbesondere nach Indien, China und Osteuropa, ist eine Reaktion auf vergangene Lieferengpässe und wird sich weiter beschleunigen.

"Neue Werke entstehen in Deutschland eher selten", so Göller. Während 75 Prozent der Unternehmen Kapazitäten in Indien aufbauen und 60 Prozent jeweils in China und Osteuropa, kommt es in Nord- und Südamerika sowie dem restlichen Asien ebenso zu einem Beschäftigungsaufschwung. In Deutschland hingegen bleibt der Aufbau neuer Werke und damit auch von Arbeitsplätzen die Ausnahme.

Die Investitionen fließen hauptsächlich in neue Produkte und Technologien sowie die Umrüstung auf Elektro-Antriebe. Automatisierung und Digitalisierung der Produktionsanlagen stehen im Fokus, was die Beschäftigungsbilanz deutlich negativ beeinflusst. Obwohl deutsche Unternehmen ein Viertel ihrer Gesamtinvestitionen weiterhin hierzulande tätigen, reicht dies nicht aus, um den drohenden Stellenabbau aufzuhalten.

"Viele Fabriken in Deutschland und Europa sind bereits heute nicht voll ausgelastet," erklärt Göller. "Entsprechend groß ist der Kostendruck, auf den viele Hersteller mit Sparprogrammen und Stellenabbau reagieren." Die befragten Unternehmen bekennen sich zwar weiterhin zum Standort Deutschland, dennoch steckt der Arbeitsmarkt in einer prekären Lage, die nur durch strukturelle Anpassungen und strategische Investitionen bewältigt werden kann.