20. Juni, 2024

Grün

Der CO₂-Konflikt und die EU-Regeln

Neue EU-CO₂-Bilanzierungsmethoden stellen deutsche Produzenten vor Herausforderungen.

Der CO₂-Konflikt und die EU-Regeln
Die EU-Batteriebilanzierung bevorzugt Länder mit niedriger CO₂-Intensität in der Stromproduktion, was Frankreich begünstigt und Deutschland benachteiligt, trotz beider Bemühungen um grüne Energie.

Jüngst hat die EU mit ihrer neuen Richtlinie zur CO₂-Bilanz von Batterien eine Debatte entfacht, die tief in die Wirtschaftsstrukturen Deutschlands schneidet.

Auf 33 Seiten eines delegierten Rechtsakts legen EU-Beamte fest, wie zukünftig die CO₂-Emissionen für Batterien ermittelt werden sollen.

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Ein scheinbar technischer Vorgang mit gravierenden Auswirkungen: Während in Frankreich die Produktion „grüner“ Batterien florieren könnte, sieht sich Deutschland aufgrund seines Energiemixes benachteiligt.

Ein Schlag für die deutsche Industrie

Die neue Regelung berechnet die Klimabilanz von Batterien ausschließlich basierend auf dem nationalen durchschnittlichen CO₂-Ausstoß der Stromerzeugung.

Die neue CO₂-Regelung der EU bedroht die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobil- und Batterieindustrie, mit potenziell weitreichenden wirtschaftlichen Folgen.

In Deutschland, wo ein signifikanter Anteil der Elektrizität noch immer aus fossilen Brennstoffen stammt, ergibt sich daraus eine CO₂-Intensität von 381 Gramm pro Kilowattstunde. Im Vergleich: Frankreich, mit seiner umfangreichen Nutzung der Kernenergie, kommt auf lediglich 56 Gramm.

Diese Methode führt zu einer massiven Diskrepanz in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den beiden Ländern, insbesondere für die energieintensive Batterieherstellung.

Europäische Strategien und nationale Interessen

Die Regelung könnte weitreichende Folgen für andere Sektoren wie Stahl und Zement haben, falls sich die Bilanzierungsmethode durchsetzt.

Experten wie Achim Teuber von Systemiq warnen vor einem Dominoeffekt, der die gesamte industrielle Basis der EU erfassen könnte. Die Einführung der CO₂-Fußabdruckregelung für alle relevanten Produkte in der EU ist ein ambitioniertes Ziel der Ökodesign-Verordnung.

„Die Batterieverordnung sieht vor, dass für jede Batterie ab dem kommenden Jahr ein spezifischer CO₂-Fußabdruck ausgewiesen werden muss“, sagt Teuber.

Doch diese könnte gerade für Länder wie Deutschland, Polen oder Italien erhebliche Wettbewerbsnachteile bedeuten.

Lobbyarbeit und politische Reaktionen

Die deutsche Autoindustrie, vertreten durch den Verband der Automobilindustrie (VDA), reagiert alarmiert. Die Neuausrichtung der Ökobilanzierung widerspreche den Zielen der EU, den Anteil erneuerbarer Energien zu steigern, und bedeute signifikante Nachteile für bestehende Standorte.

Die neue EU-Regelung könnte als protektionistische Maßnahme gegenüber nicht-europäischen Herstellern interpretiert werden, was zu geopolitischen Spannungen führen könnte, besonders mit China.

In Berlin wird fieberhaft nach Antworten gesucht, während sich das Wirtschaftsministerium abstimmt und auf europäischer Ebene nach Lösungen sucht, die sowohl umweltfreundlich als auch wettbewerbsfähig sind.

Was steht auf dem Spiel?

Die neue Regelung tritt schnell in Kraft und wird bereits ab dem nächsten Jahr für die Klassifizierung von Batterien nach ihrem spezifischen CO₂-Fußabdruck sorgen.

Langfristig könnte dies dazu führen, dass Produkte mit höherem CO₂-Ausstoß aus dem europäischen Markt verdrängt werden.

Die Zeit drängt für die Industrie und Politik, eine Strategie zu entwickeln, die nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern auch ökonomisch tragfähig ist.