09. Juli, 2026

Wirtschaft

Covestro: Umsichtiger Ausblick und laufende Übernahmegespräche

Covestro: Umsichtiger Ausblick und laufende Übernahmegespräche

Der Kunststoffkonzern Covestro zeigt sich in einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld für das restliche Jahr vorsichtiger. Die weltwirtschaftliche Dynamik bleibt gedämpft, und die strategisch wichtige Autoindustrie steckt in einer Schwächephase. Im Zusammenhang mit den laufenden Übernahmegesprächen mit dem Ölkonzern Abu Dhabi National Oil (Adnoc) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten berichtete Covestro-Chef Markus Steilemann im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX, dass die aktuellen Verhandlungen konstruktiv verlaufen. Eine genauere Einschätzung wollte er jedoch nicht abgeben.

Seit Juni verhandeln Covestro und Adnoc konkret nach monatelangen Unsicherheiten. In diesem Rahmen erhält Adnoc tiefgehende Einblicke in die Unternehmenszahlen von Covestro (Confirmatory Due Diligence), und beide Parteien müssen sich auf die Investitionsbedingungen einigen. Es steht eine potenzielle Offerte von rund 11,7 Milliarden Euro beziehungsweise 62 Euro je Aktie im Raum.

Laut Konstantin Wiechert von der Baader Bank spekuliert der Markt jedoch auf eine Offerte von 65 Euro je Aktie. Diese Erwartung könnte durch Covestros vorsichtigere Gewinnprognose unter Druck geraten. Ein Blick auf den Aktienkurs zeigt auch Skepsis gegenüber einem erfolgreichen Abschluss der Übernahmegespräche: Obwohl die Covestro-Papiere mit einem Plus von 1,15 Prozent zu den Favoriten im Dax gehörten, bleibt der Kurs von 54,52 Euro weiterhin deutlich unter dem möglichen Adnoc-Angebot.

Für das Jahr 2024 plant Covestro nun ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 1 und 1,4 Milliarden Euro, nach knapp 1,1 Milliarden im Vorjahr. Ursprünglich wurden bis zu 1,6 Milliarden Euro angestrebt. Die mittlere Analystenschätzung lag bereits in der unteren Hälfte dieser alten Spanne. Der freie operative Finanzmittelzufluss (Free operating Cashflow) wird jetztschätzungen zufolge zwischen minus 100 und plus 100 Millionen Euro erwartet, gegenüber der bisherigen Prognose von 0 bis 300 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal konnte Covestro den Umsatz stabil bei knapp 3,7 Milliarden Euro halten, während der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 320 Millionen Euro sank. Im Zeitraum von April bis Juni musste das Unternehmen jedoch einen Nettoverlust von 72 Millionen Euro hinnehmen, nach einem Gewinn von 46 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Dies ist auch auf höhere sonstige Erträge und eine niedrigere Steuerlast im Vorjahr zurückzuführen.

Trotz einer verbesserten Verfügbarkeit von Produktionsanlagen in Deutschland belasteten niedrige Verkaufspreise die Profitabilität, die nur teilweise durch niedrigere Rohstoffkosten ausgeglichen wurden.

Das Unternehmen zeigt sich auch für das dritte Quartal vorsichtig und erwartet ein Ebitda zwischen 250 und 350 Millionen Euro. Gleichzeitig bremst Covestro weiter bei den Kosten. Erst im Juni kündigte der Konzern ein Sparprogramm an, mit dem Ziel, die jährlichen Kosten bis Ende 2028 um 400 Millionen Euro zu senken, davon 190 Millionen in Deutschland. Die einmaligen Kosten für das Programm werden auf insgesamt 300 Millionen Euro geschätzt, wovon ein mittlerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag 2024 anfallen soll.

Das Sparprogramm soll bereits im laufenden Jahr einen leicht positiven Einfluss auf die Gewinne haben, mit den größten Einsparungen in den Jahren zwei und drei des Programms, wie Steilemann weiter ausführte.