Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich Chinas Außenhandel robust. Im Juli stiegen die Importe der zweitgrößten Volkswirtschaft gemessen in US-Dollar um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Dies ist bemerkenswert, da die Importe im Juni noch unerwartet zurückgegangen waren. Gleichzeitig erhöhten sich die Exporte um sieben Prozent, allerdings weniger stark als im Juni (8,6 Prozent). Mit einem Handelsüberschuss von 84,65 Milliarden US-Dollar blieb der Wert unter dem Rekordhoch von rund 99 Milliarden US-Dollar im Vormonat.
Ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums ist laut Max Butek, dem Geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina, die niedrige Basis aus dem Jahr 2023. Besonders im Handel mit Deutschland stieg der Wert der Exporte Chinas um 9,1 Prozent, während die Importe um 4,9 Prozent sanken. Bereits im Juni waren die Einfuhren aus Deutschland deutlich um 14,2 Prozent zurückgegangen. Butek betont jedoch, dass eine nachhaltige Erholung noch nicht spürbar sei. Dies liege an den weiterhin rückläufigen Importen aus Deutschland und nur moderat steigenden Exporten, wodurch China auch 2024 nicht als Deutschlands größter Handelspartner gelten dürfte.
Interessanterweise stiegen Chinas Exporte bereits den vierten Monat in Folge. Die Importe erreichten ihr höchstes Niveau seit drei Monaten. Analysten hatten jedoch für die Exporte im Juli einen durchschnittlichen Zuwachs von 9,5 Prozent prognostiziert. Die tatsächlichen Zahlen blieben somit hinter den Erwartungen zurück, was auf eine gesunkene Auslandnachfrage zurückgeführt werden könnte. Obwohl Experten lediglich ein Importplus von 3,2 Prozent erwartet hatten, überraschte die Zollbehörde mit einem deutlich höheren Wert. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass chinesische Halbleiterhersteller aufgrund möglicher Exportbeschränkungen aus den USA ihre Lager auffüllen.
Dennoch bleibt die wirtschaftliche Lage der Volksrepublik angespannt. Die Kommunistische Partei strebt für dieses Jahr ein Wachstum von fünf Prozent an, musste jedoch im Juli einen Rückschlag hinnehmen, als das zweite Quartalswachstum mit 4,7 Prozent enttäuschte. Die anhaltende Immobilienkrise und schwache Arbeitsmarktdaten belasten die Wirtschaft weiterhin. Insbesondere junge Menschen haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, was die Konsumlust dämpft. Auch die hohen Schulden der Lokalregierungen stellen ein Hindernis für Investitionen dar.
Beobachter setzen nun auf Impulse von der Zentralregierung. Peking zeigt sich bislang zurückhaltend bei großflächigen finanziellen Unterstützungsmaßnahmen. Stattdessen versucht die Regierung die Nachfrage etwa durch ein Eintauschprogramm für alte Haushaltsgeräte oder Fahrzeuge zu beleben und plant, leerstehende Wohnungen in einigen Regionen zurückzukaufen, um den Immobilienmarkt zu stützen. Außerdem könnten die bestehenden Handelsstreitigkeiten mit den USA und der EU das Geschäftsklima weiter belasten, da diese Länder aufgrund des chinesischen Handelsüberschusses Zölle verhängt haben. Auch Kanada, die Türkei und Indonesien erwägen ähnliche Maßnahmen.