Ökonomen führender Investmentbanken fordern, dass China in den nächsten zwei Jahren bis zu 10 Billionen Renminbi (1,4 Billionen US-Dollar) an Konjunkturmitteln ausgeben muss, um die Wirtschaft wieder auf nachhaltiges Wachstum zu bringen. Dies entspricht dem 2,5-Fachen des sogenannten „Bazooka“-Pakets, das Peking nach der globalen Finanzkrise 2008 geschnürt hatte, und wäre darauf ausgelegt, direkt die Haushalte durch Sozialausgaben statt durch Investitionen und Infrastruktur zu unterstützen.
Mit der zunehmenden Gefahr einer festgefahrenen Deflation warnen Experten, dass das Problem umso teurer zu beheben sei, je länger es anhalte. Besonders besorgniserregend sind die anhaltenden deflationären Kräfte, welche die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in Schach halten. Robin Xing, Chef-Ökonom für China bei Morgan Stanley, beleuchtet die kritische Lage: „Je länger die Deflation anhält, desto größer wird der Aufwand, um sie zu bekämpfen.“
Vor dem Hintergrund eines langanhaltenden Abschwungs am Immobilienmarkt sparen Haushalte mehr und geben weniger aus. Laut Goldman Sachs betrug die saisonal bereinigte Sparquote der Haushalte im zweiten Quartal etwa 31 Prozent. Peking reagierte auf das schwache Verbrauchervertrauen mit der Vergabe von Krediten an den Industriesektor, was jedoch die Überversorgung mit Konsumgütern bei geringer Nachfrage weiter verschärfte und die Deflation verstärkte.
Obwohl China in diesem Jahr ein reales BIP-Wachstum von 5 Prozent anstrebt, hemmt die Deflation das nominale Wachstum, das im zweiten Quartal nur 4 Prozent betrug. Dies drückt auf Unternehmensgewinne und führt zu Entlassungen und Gehaltskürzungen. Seit 23 Monaten sinken die Erzeugerpreise, im August sogar um 1,8 Prozent im Jahresvergleich.
Xing von Morgan Stanley hält ein „Bullenszenario“ für denkbar, in dem Peking innerhalb von zwei Jahren 10 Billionen Renminbi bereitstellt – 7 Billionen zur sozialen Absicherung der 250 Millionen Wanderarbeiter und der Rest zur Stabilisierung des Immobilienmarktes. Dies würde eine Erhöhung des erweiterten Haushaltsdefizits von 11 Prozent auf 14 Prozent des BIP erfordern.
Weitere Experten wie Hui Shan von Goldman Sachs und Larry Hu von Macquarie sehen ebenfalls große Summen als notwendig an, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Fred Neumann von HSBC gibt zu bedenken, dass es nicht nur um die Größe des Pakets gehe, sondern auch darum, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen.
China hat bereits kleinere Maßnahmen zur Stärkung des Konsums durchgeführtz, doch laut Neumann haben diese inkrementellen Maßnahmen oft ihre Wirkung verfehlt. Er betont, dass "Schock-und-Ehrfurcht"-Ansätze manchmal die richtige Wahl sind, um das Vertrauen zurückzugewinnen.