03. Juli, 2026

Wirtschaft

Bundesbankpräsident Joachim Nagel: Inflation auf gutem Wege – Risiken bleiben im Fokus

Bundesbankpräsident Joachim Nagel: Inflation auf gutem Wege – Risiken bleiben im Fokus

Die Inflationswelle im Euroraum scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben, meint Bundesbankpräsident Joachim Nagel. In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zeigte er sich zuversichtlich, dass die Inflation sich weiter in Richtung des angestrebten Zwei-Prozent-Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickeln werde, sofern keine weiteren unerwarteten Schocks auftreten. Hierbei erinnerte er an die Auswirkungen des Angriffs Russlands auf die Ukraine im Februar 2022.

Nagel warnte jedoch vor verfrühtem Optimismus. Die Rückkehr zu stabilen Preisen sei noch nicht abgeschlossen, und es sei essenziell, wachsam zu bleiben sowie potenzielle Risiken im Auge zu behalten – eine zentrale Aufgabe der Zentralbank.

Ob er bei der nächsten Zinssitzung der EZB für eine Zinssenkung stimmen werde, ließ der Bundesbankpräsident offen. „Wir sind auch weiterhin nicht mit dem Autopiloten unterwegs“, so Nagel. Dennoch zeigte er sich vorsichtig optimistisch: „Ich sehe die Inflation auf gutem Wege.“

An den Finanzmärkten wird derweil mit einer Leitzinssenkung gerechnet. Die EZB wird am 12. September über die weiteren Schritte entscheiden. Im August hatte sich die Inflation in der Eurozone auf 2,2 Prozent angenähert, was dem mittelfristigen Ziel der EZB von zwei Prozent recht nahe kommt. Bereits im Juni hatte die Zentralbank erstmals seit Beginn der Inflationswelle die Leitzinsen gesenkt, während sie im Juli eine Entscheidung vertagte und sich Optionen für den September offen hielt.

Nagel äußerte sich auch zur finanziellen Situation der Bundesbank, für die er in diesem Jahr mit ähnlichen operativen Verlusten wie 2023 rechnet. Da die Risikovorsorge bereits weitestgehend aufgebraucht sei, würde die Bank mit Verlustvorträgen in den kommenden Jahren agieren müssen.

Dennoch bleibt Nagel optimistisch: „Die Gewinne der Bundesbank werden in der Zukunft wieder zurückkommen.“ Die Bilanz der Bundesbank sei solide und große Bewertungsreserven würden bestehen. „Deshalb muss sich niemand Sorgen machen – die Bundesbank benötigt kein zusätzliches Kapital.“