Der Präsident der brasilianischen Zentralbank, Roberto Campos Neto, kündigte an, dass ein möglicher Zyklus von Zinserhöhungen schrittweise erfolgen soll. Auf einer Veranstaltung von XP Investimentos betonte Campos Neto, dass die Bank in ihrer Entscheidungsfindung flexibel bleiben und keine Vorabinformationen zu den nächsten Schritten geben werde. Er unterstrich die Notwendigkeit, datenabhängig zu agieren, um auf die derzeitigen ökonomischen Bedingungen zu reagieren.
Seit Juni hat das Direktorium die Zinsen bei 10,5% stabil gehalten und betont, dass alle Optionen für das nächste geldpolitische Treffen im September auf dem Tisch liegen. Angesichts der wiederaufkommenden Preisdrucks, der durch eine stärkere als erwartete Wirtschaftstätigkeit und einen angespannten Arbeitsmarkt bedingt ist, sind die Prognosen für Zinserhöhungen geteilt. Während einige Händler eine Erhöhung um einen Viertelpunkt erwarten, spekulieren andere auf einen halben Punkt. Campos Neto deutete jedoch an, dass die Erwartungen der Investoren möglicherweise zu hoch gegriffen seien.
Die Inflationsrate in Brasilien sank im August leicht auf 4,35%, wobei die Kerninflationsraten, die volatile Posten wie Energie und Lebensmittel ausschließen, zugenommen haben. Campos Neto beschrieb die jüngsten Verbraucherpreisdaten als "Verbesserung", betonte aber, dass eine größere Annäherung an das Ziel von 3% notwendig sei.
Analysten von JPMorgan prognostizieren einen "Mini-Zinserhöhungszyklus" mit einer Viertelpunkterhöhung im nächsten Monat und drei weiteren Anhebungen gleicher Größe bis Anfang 2025. Auch andere Institute wie Wells Fargo und Asset Manager wie XP Investimentos und Legacy gehen von einem geldpolitischen Straffungsbeginn im September aus.
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva signalisierte, dass er mit einer Zinserhöhung durch seinen designierten Notenbankchef Gabriel Galipolo, der noch vom Senat bestätigt werden muss, einverstanden wäre. Lula betonte, dass die Zentralbank nicht nur die Zinssätze festlegen, sondern auch Wachstumsziele verfolgen sollte.
Brendan McKenna, Stratege bei Wells Fargo, erklärte, dass eine Zinserhöhung unter Galipolos Mandat wahrscheinlich sei, da Lulas Aussagen eine striktere Geldpolitik unterstützen. Galipolo selbst sagte kürzlich, dass eine Zinserhöhung "auf dem Tisch" liege und alle Mitglieder des Direktoriums bereit seien, "alles Notwendige" zu tun, um die Inflation zurück zum Ziel zu führen.
Zusätzlich zur geldpolitischen Diskussion kündigte die Zentralbank am Freitag eine Versteigerung von bis zu 30.000 FX-Swaps an, was fast 1,5 Milliarden Dollar entspricht. Dies stellt die erste Intervention der Institution seit Jahren dar.