Die US-Senatorin Cynthia Lummis aus Wyoming hat im Juli einen Gesetzentwurf vorgestellt, der die Schaffung einer "strategischen Bitcoin-Reserve" vorsieht. Diese Initiative sieht vor, dass das Finanzministerium und die Federal Reserve in den nächsten fünf Jahren eine Million Bitcoins kaufen und diese anschließend mindestens 20 Jahre lang halten. Ein solcher Schritt polarisiert vor allem die Community der Bitcoin-Enthusiasten, bekannt als "Hodler", da er sowohl als Bestätigung ihres Vertrauens in die Kryptowährung als auch als Ironie wahrgenommen werden könnte, dass "Freiheitsgeld" nun durch den Staat gestützt wird.
Der Gesetzentwurf schlägt vor, dass finanzielle Überschüsse der Federal Reserve, die ansonsten dem Finanzministerium zugeführt werden, stattdessen in Bitcoin investiert werden sollen. Zudem sollen die Fed-Banken ihre Goldzertifikate zum aktuellen Marktpreis ausweisen und die Differenz an das Finanzministerium überweisen, um Bitcoin zu erwerben. Damit stellt sich jedoch die Frage, inwiefern solch ein finanzielles Manöver das bestehende System nachhaltig beeinflusst oder verändert.
Eine strategische Bitcoin-Reserve könnte künftig wohl an Wert gewinnen und eine finanzielle Diversifizierung der USA darstellen, indem sie die Widerstandsfähigkeit der monetären und finanziellen Systeme unterstützt. Die reservierten Bitcoins dürften jedoch bis 2045 nicht verkauft werden, was anstelle dieser Resilienz hauptsächlich Lagerkosten verursachen würde. Darüber hinaus legt der Gesetzentwurf nahe, dass diese Bitcoin-Strategien als staatliches Wohlstandsfonds agieren könnten, um beispielsweise die Staatsverschuldung zu tilgen.
Während Bitcoin durchaus geldwerten Charakter zeigt, beweisen Analysen, dass die Kryptowährung in Ländern mit schwachen Bankensystemen als Mittel zur Vermögensspeicherung und -transfer genutzt wird. Doch hat dies wenig mit konventionellen Bankreserven zu tun und lässt Zweifel über die langfristige Stabilität aufkommen. Der steigende Bitcoin-Kurs nach der Wahl Donald Trumps wird zudem als Beispiel für einen sich selbst verstärkenden Trend gesehen: Bitcoin wird aufgrund vermeintlicher politischer Unterstützung wertvoller, was wiederum mehr politische Unterstützung nach sich zieht.
Letztendlich bleibt die Frage, ob Bitcoin tatsächlich den Status als essenzielles Reservegut erreichen kann. Historisch gesehen haben Banklösungen Krisen stets überdauert. Ein langfristiger Wetteinsatz auf Bitcoin mag die Vision eines globalen institutionellen Zusammenbruchs spiegeln, was jedoch mehr mit Phantasien als mit realistischen Szenarien zu tun hat.
Eine Bitcoin-Reserve könnte absurde Konsequenzen haben. Sollte der Schatz einer Million Bitcoin halten, wäre er durch die Anlage in gewisser Weise blockiert. Das US-Kongress stünde vor der Herausforderung, seine monetäre Souveränität nicht durch Einschränkungen des Bitcoin-Minings oder Handels zu gefährden, da solche Maßnahmen den Wert der eigenen Reserven beeinträchtigen würden. Letztlich könnte die strategische Bitcoin-Reserve weniger eine Strategie für die USA als vielmehr eine für die "Hodler" selbst sein.