08. Juli, 2026

Wirtschaft

Bank of England stellt Weichen für Zinssenkung - Ein fragiler Balanceakt

Bank of England stellt Weichen für Zinssenkung - Ein fragiler Balanceakt

Die britische Zentralbank, die Bank of England, hat nach zwei aufeinanderfolgenden Monaten, in denen die Inflationsrate das Ziel von 2 Prozent erreichte, die Leitzinsen erstmals seit der Covid-19-Pandemie gesenkt. Obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stärker als erwartet ausfiel, bleibt die restriktive geldpolitische Haltung der Bank bestehen, was sich auf die reale Wirtschaft auswirkt und zu einem lockeren Arbeitsmarkt führt.

Ein zentrales Anliegen für das geldpolitische Komitee ist die anhaltende Inflation im Dienstleistungssektor. Trotz der Erreichung des Inflationsziels zeigt sich das Preiswachstum bei Dienstleistungen hartnäckig, während die Wareninflation stark zurückgegangen und sogar negativ ist. Dies führte dazu, dass vier Mitglieder des Komitees dafür stimmten, die Zinsen bei 5,25 Prozent zu belassen, da sie befürchten, dass strukturelle Verschiebungen wie ein Anstieg der langfristigen natürlichen Arbeitslosenquote und ein Rückgang des Potenzialwachstums zu einer anhaltenden Inflationspersistenz führen könnten.

Eine signifikante Komponente der Dienstleistungsinflation sind die Wohnungsmieten. Steigende Zinssätze führen zu höheren Hypothekenzinsen, die Vermieter an die Mieter weitergeben. Dies schafft ein Dilemma für die Bank of England: Halten hohe Zinssätze die Inflationsraten hoch? In Großbritannien sind Hypotheken meist variabel, dadurch wirken sich Zinsänderungen schneller auf die Mietpreise aus als beispielsweise in den USA mit langfristig festgelegten Hypothekenraten.

Vor dem Hintergrund dieser Mechanismen stieg die Mieteninflation von 6,5 Prozent Ende 2023 auf 7,2 Prozent im Juni 2024. Vermieter, die mit variablen Hypothekenzinsen konfrontiert sind, geben höhere Kosten an die Mieter weiter. Die "CPI-Miete" ist jedoch ein nachlaufender Indikator, der die allgemeinen Mietsteigerungen und nicht nur die von Neumietern widerspiegelt. Auch für Unternehmen, die auf Gewerbeimmobilien angewiesen sind, bedeuten steigende Mieten höhere Betriebskosten.

Interessanterweise haben Ökonomen der Bank of England in einer Analyse darauf hingewiesen, dass höhere Zinsen kurzfristig die Mieten erhöhen könnten. Dies würde bedeuten, dass eine temporäre Zinsanhebung zu vorübergehend steigenden Mieterträgen führt, bevor sich der Markt langfristig anpasst.

Insgesamt machen die anhaltend hohen Mieten einen erheblichen Teil der Dienstleistungsinflation aus, die 45 Prozent des britischen Verbraucherpreisindexes (CPI) ausmacht. Mit 17 Prozent der Dienstleistungsinflation sind Mieten ein kritischer Faktor. Ein Anstieg der Mieten um 1 Prozent führt zu einem Anstieg der Dienstleistungsinflation um etwa 0.17 Prozent.

Die Bank of England sollte daher nicht davor zurückschrecken, die heutige Zinssenkung als Auftakt für eine nachhaltige Lockerung der Geldpolitik zu sehen, um die Inflationsdynamik besser zu kontrollieren.