Der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hat seine Ergebnisprognose nach einem überraschend starken zweiten Quartal erneut angehoben. Das Unternehmen konnte sowohl bei professionellen Händlern als auch bei Privatkunden den Fahrzeugabsatz und den Bruttogewinn pro Auto steigern. Bereits nach dem ersten Quartal hatte Mitgründer und CEO Christian Bertermann die Jahresprognose optimistischer gestaltet. Nun, angesichts der operativen Gewinne, plant er, in schnelleres Wachstum zu investieren. Die Aktie des Unternehmens verzeichnete daraufhin einen kräftigen Kurszuwachs.
Innerhalb eines Tages stieg der Aktienkurs um gut 15 Prozent auf 7,88 Euro. Im laufenden Jahr hat die Aktie etwa ein Fünftel an Wert gewonnen. Für Langzeitaktionäre bleibt jedoch ein Wermutstropfen: Am ersten Handelstag im Februar 2021 sprang der Kurs vom Ausgabepreis von 38 Euro um fast 50 Prozent auf 56,76 Euro, doch seither setzte eine längere Abwärtsbewegung ein, die ihren Tiefpunkt im März dieses Jahres bei etwa 3,27 Euro erreichte.
Bertermann rechnet nun für 2024 mit einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 45 und 65 Millionen Euro, eine deutliche Anhebung gegenüber der vorherigen Prognose von 20 bis 40 Millionen Euro. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel lobte das Unternehmen für sein hervorragendes Kostenmanagement.
Der Umsatz von Auto1 stieg im zweiten Quartal unerwartet stark um 13 Prozent auf 1,52 Milliarden Euro. Der Fahrzeugabsatz betrug 166.292 Autos, was einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für das Gesamtjahr erwartet Auto1 nun 620.000 bis 665.000 Verkäufe, was am unteren Ende der Spanne 10.000 Fahrzeuge mehr bedeutet als bislang geplant.
Im dominierenden Geschäft mit professionellen Händlern stieg der Rohgewinn pro Auto im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 918 Euro. Im kleineren Segment der Privatkunden, das über die Marke wirkaufendeinauto.de läuft und über das Portal Autohero verkauft, verzeichnete der Bruttogewinn pro Auto einen beeindruckenden Anstieg von fast einem Viertel auf 2.077 Euro.
Insgesamt erzielte Auto1 einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) von 20,7 Millionen Euro, womit die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten übertroffen wurden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen operativen Verlust von fast 15 Millionen Euro verbucht.
Christian Bertermann erklärte gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX, die positiven Zahlen seien das Ergebnis einer gestiegenen Nachfrage sowohl seitens der Privatkunden als auch der professionellen Händler. "Für die Zukunft konzentrieren wir uns darauf, unser Wachstum durch gezielte Investitionen in allen Geschäftsbereichen weiter zu beschleunigen", betonte der CEO.