Deutschlands viertes Mobilfunknetz wächst weiter, bleibt jedoch klein im Vergleich zur Konkurrenz. Ralph Dommermuth, Chef des Netzbetreibers 1&1, verkündete in Montabaur, dass bis Ende Juni mehr als 400 Standorte in das Netz integriert wurden – etwa doppelt so viele wie drei Monate zuvor. Kein Vergleich zu O2 mit rund 28.000 und Vodafone mit 26.000 aktiven Mobilfunk-Standorten in Deutschland. Momentan erhalten 1&1-Kunden dort, wo das eigene Netz nicht verfügbar ist, Zugang über das Netz von O2. Diese Zusammenarbeit erfolgt durch einen National-Roaming-Vertrag, in dem 1&1 eine Nutzungsgebühr an O2 entrichtet. Noch in diesem Sommer soll jedoch der Wechsel zu Vodafone erfolgen, was bedeutet, dass die Kunden künftig das Netz der Deutschlandtochter des britischen Telekommunikationsgiganten nutzen werden. Der Netzausbau von 1&1 verlief bisher nicht ohne Hindernisse. Anfang 2023 sollten 1000 Standorte in Betrieb genommen werden, tatsächlich waren es nur fünf, was zu einem Bußgeldverfahren durch die Bundesnetzagentur führte. 1&1 sieht die Schuld beim Partner Vantage Towers, der viele vereinbarte Standorte nicht übergeben konnte. Dommermuth bemängelte jüngst, dass Vantage erneut 250 Standorte gestrichen habe und bezeichnete den Ausbau als mühsam. Dennoch zeigt sich der Konzernchef optimistisch und betont stetige Fortschritte. Bis Ende 2025 sollen gemäß einer Vorschrift der Bundesnetzagentur ein Viertel der deutschen Haushalte erreicht werden – ein Ziel, das 1&1 fest erreichen will. Im Mai erlebte 1&1 einen großen Rückschlag durch technische Probleme im eigenen Netz, was viele Kunden lange Zeit unerreichbar machte. Der Konzernchef gab bekannt, dass etwa 50.000 Kündigungen die Folge waren – eine Zahl, die auch ihn persönlich getroffen hatte, nachdem er selbst durch den Ausfall nicht erreichbar war. Man habe daraus gelernt und sei sicher, solche Vorfälle zukünftig vermeiden zu können. Das Unternehmen blickt auf ein durchwachsenes erstes Halbjahr zurück. Der Umsatz stieg um 1,1 Prozent auf 2,02 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis (Ebit) um 22,8 Prozent auf 196,1 Millionen Euro sank. Die signifikanten Anlaufkosten für den Netzausbau belasteten die Bilanz schwer. Folglich musste 1&1 die Jahresprognose für Umsatz und Profitabilität nach unten korrigieren.
Wirtschaft
Ausbau bei 1&1: Rückschläge und Fortschritte zugleich