10. Juli, 2026

Wirtschaft

Altersrente: Eine Frage der Gerechtigkeit

Altersrente: Eine Frage der Gerechtigkeit

Nach 45 Versicherungsjahren beziehen Menschen in Deutschland im Durchschnitt eine Rente von 1.604 Euro brutto. Dennoch erreichen rund 20 Prozent dieser langjährig Versicherten nicht einmal 1.200 Euro. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung an die Bundestagsgruppe BSW hervor, geleitet von Sahra Wagenknecht. Insgesamt lag Ende letzten Jahres bei etwa 1,08 Millionen der 5,40 Millionen Altersrenten mit mindestens 45 Versicherungsjahren der Auszahlungsbetrag unter 1.200 Euro im Monat.

Die Rentenversicherung berücksichtigt neben Jahren der Erwerbstätigkeit auch Lebensphasen wie Wehrdienst, Studium sowie Kindererziehung. Wagenknecht beschreibt die Rentensituation als politisches Versagen und ermahnt die deutschen Bürger, diese Niedrig-Renten nicht länger zu akzeptieren.

Das Bundessozialministerium hingegen betont, dass die 1.604 Euro ein Durchschnittswert sind, und verweist auf die vielfältigen Ursachen niedriger Renten. Beispielsweise beziehen viele Selbstständige, Beamte und Hausfrauen nur eine kleine gesetzliche Altersrente, da sie lediglich für mindestens fünf Jahre Beiträge eingezahlt haben – dies reicht für eine Mindestdauer, nicht jedoch für eine ansehnliche Altersrente.

Langfristige Pausen, Teilzeitarbeit und geringe Löhne gelten bei vielen westdeutschen Frauen als rentenmindernd. Dennoch, so das Ministerium, sollte die Rente nicht isoliert betrachtet werden. Pensionen, Betriebs- oder Privatrenten tragen ebenfalls zur finanziellen Gesamtsituation bei. Diese zusätzlichen Einkommensquellen verzerren das Bild der alleinigen Rentenhöhe.

SPD-Sozialpolitiker Martin Rosemann betont, dass die Renten in den letzten Jahren parallel zu den Löhnen gestiegen sind. Die Reformen, insbesondere das "Rentenpaket II", gewährleisten auch künftig ein stabiles Rentenniveau. Die Rentenhöhe bildet jedoch immer die Erwerbsbiografie ab, was auch die Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns verdeutlicht.

Ein Blick auf regionale Unterschiede zeigt, im Westen lag die durchschnittliche Rente bei 1.663 Euro, im Osten hingegen bei 1.471 Euro. In Berlin und westdeutschen Bundesländern überstieg die Rente 1.600 Euro, wohingegen die ostdeutschen Flächenländer wie Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen darunter lagen.

Wagenknecht sieht im Nachbarland Österreich ein Vorbild: Dort verdienen langjährig Versicherte im Schnitt 800 Euro mehr. Grund dafür ist eine umfassende Rentenreform vor etwa 20 Jahren. In Österreich zahlen fast alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenkasse ein, unterstützt durch höhere Steuerzuschüsse und Beitragssätze.