13. April, 2024

Wirtschaft

Zinswende in Europa könnte den USA zuvorkommen, prognostiziert OeNB-Gouverneur Holzmann

Zinswende in Europa könnte den USA zuvorkommen, prognostiziert OeNB-Gouverneur Holzmann

Eine unerwartete Trendwende in der Zinspolitik zeichnet sich am europäischen Wirtschaftshorizont ab, wenn man den Worten von Robert Holzmann, dem Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des EZB-Rates, Glauben schenkt. In einem Gespräch mit der 'Kronen Zeitung' spekulierte Holzmann über die Möglichkeit, dass eine Zinssenkung in Europa die der Vereinigten Staaten überholen könnte. Dies sei hauptsächlich dem langsameren Wirtschaftswachstum Europas im Vergleich zu den USA geschuldet, was die Inflationsentwicklung in der EU potenziell schneller abstumpfen lassen könnte.

Würde die Inflation in Europa rascher als angenommen das Erreichen des angestrebten langfristen Inflationsziels von zwei Prozent signalisieren, stünden die Chancen für eine frühere Zinssenkung gut. Holzmann verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bedeutung der Lohnabschlüsse, die durch moderatere Erhöhungen zu einer gedämpften Preisentwicklung beitragen könnten.

Im Gegensatz dazu präsentiert sich die Situation in den USA anders. Dort haben sich Lohnsteigerungen von fünf Prozent festgesetzt, während die Inflation deutlich über drei Prozent liegt, erläuterte der österreichische Notenbankchef. Aussagen von Jerome Powell, dem Vorsitzenden der US-Notenbank, legen zudem nahe, dass eine unmittelbare Zinssenkung im Juni noch unsicher sei.

Des Weiteren äußerte sich Holzmann zur frühzeitigen Ausschreibung der Posten für das Direktorium der OeNB und betonte, dass nach Abschluss des Prozesses vorrangig die qualifiziertesten Kandidaten ausgewählt werden sollten. Er selbst beabsichtigt nicht, sich für eine weitere Amtsperiode zu bewerben, da er bereits zum Zeitpunkt seiner Anstellung vor fünf Jahren festgelegt hatte, dass seine Tätigkeit auf sechs Jahre begrenzt sein würde.