Die deutsche Automobilindustrie steht vor einer Zerreißprobe, die das gesamte Gefüge des heimischen Arbeitsmarktes zum Einsturz bringen könnte. Was über Jahrzehnte als unumstößlicher Grundpfeiler des sozialen Friedens galt, wird in der tiefsten Strukturkrise der Nachkriegsgeschichte im Rekordtempo abgeräumt.
Der dramatische Absatzeinbruch auf dem chinesischen Markt, drohende Strafzölle in den USA und die erdrückenden Energiekosten im Inland zwingen die Unternehmen zu drastischen Schritten. Der Druck im Kessel ist mittlerweile so gewaltig, dass die ersten Dominosteine fallen. Am Ende dieser Entwicklung steht nicht weniger als der schleichende Todesstoß für die gewohnte 35-Stunden-Woche in der deutschen Schlüsselindustrie.
Der radikale Nullrunden-Diktat bei Aumovio schafft vollendete Tatsachen
Der Autozulieferer Aumovio fackelt nicht mehr lange und schafft an zwei zentralen deutschen Standorten Fakten, die Schockwellen durch die Belegschaften treiben. Insgesamt rund 2.100 Beschäftigte müssen ab sofort deutlich länger an den Werkbänken und in den Entwicklungsbüros stehen. Einen finanziellen Ausgleich für die zusätzliche Lebenszeit im Betrieb gibt es schlichtweg nicht. Das Unternehmen diktiert eine Nullrunde bei der Bezahlung, während die Leistung nach oben geschraubt wird.
In der Praxis bedeutet das eine massive Mehrarbeit von bis zu 38 statt der vereinbarten 35 Stunden pro Woche. Am Standort Ingolstadt, wo Aumovio zukunftsweisende Fahrerassistenzsysteme sowie Technologien für das automatisierte Fahren entwickelt und produziert, betrifft dieser Einschnitt rund 900 Mitarbeiter im Werk und in den werksnahen Bereichen. Insgesamt sind an diesem bayerischen Standort 1.300 Menschen beschäftigt.

Noch härter trifft es das Werk in Villingen-Schwenningen, das auf Lösungen für Nutzfahrzeuge spezialisiert ist. Dort gilt die schmerzhafte Regelung für den gesamten Standort ohne jede Ausnahme, wodurch rund 1.200 Beschäftigte ab Juli drei Stunden pro Woche ohne Gegenleistung draufpacken müssen. Die Unternehmensführung begründet diesen drastischen Schritt mit den brutalen Realitäten des globalen Marktes. „Mit dem Ziel, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Standorte Ingolstadt und Villingen-Schwenningen in einem international herausfordernden Marktumfeld langfristig zu sichern“, habe man sich mit den Tarifpartnern auf gemeinsame Vereinbarungen verständigt, so ein Sprecher des Unternehmens.
Das gefährliche Werkzeug der Ergänzungstarifverträge hebelt den Standard aus
Die bittere Pille wurde über sogenannte Ergänzungstarifverträge verabreicht, die eine standortbezogene Abweichung vom regulären Flächentarifvertrag erlauben. Diese Verträge werden direkt zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft IG Metall geschlossen, um einzelne Fabriken flexibel an eine bedrohliche wirtschaftliche Schieflage anzupassen. Die bittere Ironie dabei ist, dass die Mitarbeiter der IG Metall vor dem finalen Abschluss mehrheitlich zustimmen mussten, um ihre eigenen Arbeitsplätze überhaupt noch zu retten. Im Fall von Aumovio ist das unbezahlte Schuften kein kurzes Intermezzo, sondern eine langfristige Realität. Die Verträge laufen mit einer Bindung bis zum Ende des Jahres 2029.

Als schwachen Trost verspricht Aumovio im Gegenzug, weiterhin an den betroffenen Standorten zu investieren, um die Voraussetzungen für eine langfristige Auslastung zu sichern. Doch in der Branche wird das Vorgehen längst als Blaupause für einen umfassenden Angriff auf die Errungenschaften der Arbeitnehmerschaft verstanden. Was bei einem Zulieferer beginnt, könnte schon bald zum neuen Standard in der gesamten deutschen Industrie werden, da immer mehr Kapitäne der Wirtschaft lautstark aus der Deckung kommen.
Spitzenmanager fordern die bedingungslose Rückkehr zur alten Malocher-Woche
Die Stimmen aus den Chefetagen der deutschen Wirtschaft, die eine radikale Erhöhung der unbezahlten Arbeitszeit fordern, werden von Tag zu Tag lauter und aggressiver. Der Druck auf die Gewerkschaften wächst im Vorfeld der anstehenden Tarifrunde im Herbst ins Unermessliche. Die Arbeitgeberseite wittert angesichts der anhaltenden Rezession die historische Chance, die Uhren in den Fabriken dauerhaft zurückzudrehen und die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Rücken der Belegschaften zu sanieren.
Wie tief dieser Wunsch im Management verwurzelt ist, zeigt eine unmissverständliche Ansage aus der Maschinenbaubranche. „Wir müssen zurück zur 40-Stunden-Woche in der Industrie, ohne Lohnanpassung. Wir müssen die Produktivität wieder steigern“, so Lars Brzoska, Vorstandschef des Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich. Diese Forderung ist kein isolierter Einzelfall mehr, sondern spiegelt den breiten Konsens in den industriellen Führungszirkeln wider, die den Standort Deutschland im globalen Vergleich ins Hintertreffen geraten sehen.

Der brisante Geheim-Plan von Mercedes elektrisiert die gesamte Republik
Wie akut die Gefahr für die Arbeitnehmer tatsächlich ist, zeigt ein brisanter Vorstoß beim Stuttgarter Premium-Autobauer Mercedes, der hinter verschlossenen Türen für ein gewaltiges Beben sorgt. Hochrangige Manager des Dax-Konzerns testen derzeit bei ausgewählten Betriebsräten klammheimlich eine Idee, die einer Kriegserklärung an die Belegschaft gleichkommt. Demnach existiert ein konkreter Plan, wonach Mercedes-Mitarbeiter künftig volle fünf Stunden mehr pro Woche arbeiten sollen. Das Ziel der Konzernlenker ist eine unbezahlte 40-Stunden-Woche, bei der das Gehalt jedoch stur auf dem Niveau von 35 Stunden eingefroren wird.
Die Arbeitnehmervertreter reagieren auf diesen Testballon bislang mit purer Arbeitsverweigerung und beißendem Spott, um die Fronten sofort zu klären. Darüber werde das Gremium ohnehin niemals verhandeln, tönt ein Insider vorsorglich aus den Stuttgarter Werkshallen. Ein anderer Betriebsrat flüchtete sich in Galgenhumor und verriet, dass er bei solchen unverschämten Themen im Gespräch mit dem Management „immer ganz plötzlich auf die Toilette“ müsse.
Doch das Pfeifen im Walde täuscht nicht darüber hinweg, dass die Zeit der Komfortzonen in der deutschen Schlüsselindustrie endgültig vorbei ist. Auf offizielle Anfrage reagierte Mercedes mit einer schwammigen Stellungnahme, die zwischen den Zeilen alle Türen für zukünftige Kürzungen offenlässt. Die aktuelle Wirtschaftslage bleibe „weltweit extrem volatil“, teilte der Autobauer mit, und nur durch ein nachhaltiges Steigern der Effizienz bleibe man überhaupt „finanziell stark und handlungsfähig“.
Zwar bekenne sich der Konzern ausdrücklich zum Heimatmarkt, fügte jedoch eine unmissverständliche Warnung hinzu. „Die hohen Arbeitskosten in Deutschland sind nicht wettbewerbsfähig. Daher prüfen wir verschiedene Möglichkeiten, um effizienter zu werden, und führen intensive Gespräche mit unserem Sozialpartner“, so das Mercedes-Management. Das Signal ist eindeutig: Wenn die Kosten nicht drastisch sinken, wackelt die Zukunft der deutschen Werke. Der herbstliche Tarifstreit wird zeigen, ob die IG Metall die Festung der 35-Stunden-Woche noch einmal verteidigen kann oder ob das Modell Aumovio die gesamte Republik überrollt.

